Politik

Scharfe Kritik an Druck IsraelsChef der US-Terrorabwehr tritt wegen Iran-Kriegs zurück

17.03.2026, 16:35 Uhr
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Joe Kent begründet seinen Rücktritt mit dem Angriff auf den Iran. (Foto: AP)

Der Angriff auf den Iran spaltet die Anhängerschaft von US-Präsident Donald Trump. Für manch einen Konservativen ist der Krieg im Nahen Osten ein Fehler. Der Chef der Terrorabwehr der USA zieht daraus Konsequenzen.

Aus Protest gegen den US-Angriff auf den Iran ist der Chef des Nationalen Zentrums für Terrorismusbekämpfung, Joseph Kent, zurückgetreten. "Ich kann den andauernden Krieg im Iran nicht guten Gewissens unterstützen. Der Iran stellte keine unmittelbare Bedrohung für unser Land dar", schrieb er in einem Brief an US-Präsident Donald Trump, den Kent auf X veröffentlichte. Es sei offensichtlich, dass die Vereinigten Staaten den Krieg "aufgrund des Drucks seitens Israels und seiner einflussreichen amerikanischen Lobby" begonnen hätten.

Trump sagte, Kents Rücktritt sei "eine gute Sache". "Ich fand immer, dass er in Sicherheitsfragen schwach war, sehr schwach", sagte der US-Präsident vor Journalisten im Weißen Haus in Washington. Als er Kents Rücktrittserklärung gesehen habe, "wurde mir klar, dass es gut ist, dass er weg ist". Trump hatte Kent erst im Februar als Leiter des Terrorabwehr-Zentrums nominiert.

Kents Rücktritt macht die Spaltung der Trump-Anhänger in der Bewertung des Krieges deutlich. Laut "New York Times" ist Kent der erste Beamte der Regierung, der wegen des Iran-Kriegs zurücktritt, sowie einer der ersten, der seinen Rücktritt ausdrücklich mit erheblichen politischen Meinungsverschiedenheiten begründet. Kent ist demnach ein "enger Freund" von Tucker Carlson. Der Journalist und Kommentator, einst ein großer Trump-Anhänger, kritisiert den Krieg gegen den Iran scharf. "Das ist Israels Krieg, nicht der Krieg der USA", hatte Carlson gesagt.

Der republikanische Abgeordnete und frühere General Don Bacon kritisierte Kent für dessen Verurteilung Israels. "Antisemitismus ist ein Übel, das ich verabscheue, und wir wollen ihn ganz sicher nicht in unserer Regierung haben", schrieb Bacon auf X. "Der Iran hat mehr als tausend Amerikaner ermordet. Seine EFP-Landminen waren die tödlichsten im Irak", heißt es weiter.

In seinem Brief schreibt Kent, Trump habe in seiner ersten Amtszeit noch "besser als jeder andere moderne Präsident" verstanden, wie man das Militär einsetze, ohne in endlose Kriege verwickelt zu werden. Er unterstütze die Werte und die Außenpolitik, für die Trump 2016, 2020 und 2024 geworben und in seiner ersten Amtszeit umgesetzt habe. "Bis Juni 2025 war Ihnen bewusst, dass die Kriege im Nahen Osten eine Falle waren, die Amerika die kostbaren Leben unserer Patrioten raubte und den Reichtum und Wohlstand unserer Nation erschöpfte", schreibt Kent an Trump gerichtet.

Frau starb bei Selbstmordattentat

So lobt Kent den Präsidenten etwa für den Sieg über die Terrormiliz Islamischer Staat und für die Tötung des Qasem Soleimani, den mächtigen Kommandeur in den iranischen Revolutionsgarden, der 2020 durch eine US-Drohne getötet wurde.

Gleichzeitig wirft er Israel vor, dieselbe Taktik wie im Irak-Krieg angewandt zu haben, um die USA in einen verheerenden Krieg mit Tausenden von Opfern zu ziehen. Dafür gibt es allerdings keine Belege. "Diesen Fehler dürfen wir nicht wiederholen", schrieb Kent weiter. Er appellierte an Trump, "darüber nachzudenken, was wir im Iran tun und für wen wir es tun".

Kent ist nach Angaben des National Counterterrorism Centers Kriegsveteran. Seine Frau Shannon wurde 2019 bei einem Selbstmordattentat in Syrien getötet. Kent selbst schrieb, dass er es nicht unterstützen könne, die nächste Generation in einen Krieg zu schicken, der dem amerikanischen Volk keinen Nutzen bringt. Das National Counterterrorism Center untersteht der US-Geheimdienstkoordinatorin Tulsi Gabbard.

Quelle: ntv.de, mli/dpa

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