Politik

Mehr Medaillen für DeutschlandSchenderlein dementiert Veto Dobrindts im Sportförder-Streit

04.02.2026, 10:49 Uhr
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Eine olympische Goldmedaille von den Spielen in Los Angeles 1984. Damals gewann Westdeutschland 17 Mal Gold - weil die Ostblockstaaten nicht teilnahmen. (Foto: picture alliance / Panama Pictures)

Mit einem neuen Sportfördergesetz will die Bundesregierung wieder mehr Medaillen pro Steuer-Euro. Doch die Reformpläne treffen auf Widerstand. Sportstaatsministerin Schenderlein räumt bei ntv Klärungsbedarf ein.

Die Staatsministerin für Sport, Christiane Schenderlein, möchte den Konflikt um das Sportfördergesetz entschärfen. Berichte über ein Veto von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt gegen das Reformvorhaben wies sie in der ntv-Sendung Frühstart zurück. "Ich würde jetzt nicht sagen, dass es ein Veto ist", sagte Schenderlein. Vielmehr gebe es "an der einen oder anderen Stelle noch Klärungsbedarf". Schenderlein weiter: "Wir sind insgesamt in guten Gesprächen. Sowohl mit dem Innenministerium als auch zum Beispiel mit dem Finanzministerium."

Hintergrund der Auseinandersetzung ist die geplante Reform der Spitzensportförderung. Mit dem Sportfördergesetz soll unter anderem eine unabhängige Sportagentur geschaffen werden, die künftig über die Förderungen entscheidet. Schenderlein sprach von einem "Paradigmenwechsel", den man nicht überstürzen wolle. "Es soll am Ende wirklich ein gutes Gesetz sein", sagte die CDU-Politikerin, verbunden mit "einer guten Struktur, die wir aufsetzen".

Kritik an dem Vorhaben war zuletzt vor allem vom Deutschen Olympischen Sportbund gekommen. Der DOSB hatte Zweifel an der Ausgestaltung der neuen Agentur angemeldet und vor zu großem politischen Einfluss gewarnt. Schenderlein verwies auf laufende Gespräche. Es habe "eine breite Diskussion dazu" gegeben, sagte sie, "gerade eben auch durch den DOSB als wichtigsten Sportakteur an dieser Stelle". Dass man den Entwurf weiter prüfe, sei Teil des normalen Verfahrens.

Stärkere Orientierung am Medaillenspiegel

Inhaltlich machte die Staatsministerin deutlich, dass sich mit der Reform auch die Förderlogik ändern solle. Leistung solle stärker in den Mittelpunkt rücken. "Im Leistungssport wird das am Medaillenspiegel gemessen", sagte Schenderlein. Dieser sei weiterhin eine "Richtschnur", an der sich Priorisierungen orientierten. Welche Sportarten von möglichen Kürzungen konkret betroffen seien, ließ sie offen.

Die geplante Sportagentur sollte nach ihren Worten gerade dazu beitragen, politische Einflussnahme zu reduzieren. "Wir legen also die Förderung in die Hände von Experten", sagte Schenderlein. Sport, Verwaltung und Politik nähmen sich dabei "ein Stück zurück". Dieses Modell habe sich in anderen Ländern bewährt.

Den Vorwurf mangelnder Sportkompetenz in den neuen Strukturen wies Schenderlein zurück. Entscheidend sei der Vorstand der Agentur, "bestehend aus zwei Personen, die dann wirklich die Sportförderung in den Händen halten". Dieser solle künftig durch ein Gremium ausgewählt werden, in dem auch der organisierte Sport vertreten sei. In den vergangenen Wochen habe man sich diese Punkte "noch mal näher angeschaut", sagte sie.

Ferner betonte die Staatsministerin die Verantwortung der Politik. "Es geht um Steuergelder", sagte Schenderlein. Diese müssten "ordentlich" und im Einklang mit der Bundeshaushaltsordnung verwendet werden. Deshalb seien Kontrolle und Aufsicht notwendig. Der Bundeshaushaltsgesetzgeber müsse eingebunden bleiben, schließlich gehe es um "viel Geld", das dem Spitzensport zur Verfügung gestellt werde.

Vorbild Großbritannien

Den Reformbedarf begründete Schenderlein mit dem Blick ins Ausland. Während Deutschland im Wintersport weiterhin erfolgreich sei, habe man bei den Olympischen Sommerspielen an Leistungsfähigkeit verloren. Andere Länder hätten früher reagiert. Großbritannien habe mit einer vergleichbaren Agentur "innerhalb von zehn Jahren" den Sprung "von einer Top-Ten-Platzierung zu einem Top-Drei-Kandidaten" geschafft.

Wann das Sportfördergesetz ins Kabinett eingebracht werden sollte, ließ Schenderlein offen. Man nehme sich die nötige Zeit, sagte sie. "Die Reform dauert auch schon viele Jahre." Sie sei jedoch "sehr zuversichtlich", dass man am Ende zu einem Gesetzentwurf komme, der tragfähig sei - politisch wie sportlich.

Bei den vergangenen Olympischen Winterspielen belegte Deutschland den zweiten Platz im Medaillenspiegel. Auch dieses Jahr solle eine Top-Platzierung her: "Wir gehören zu den Besten der Welt." Doch die Konkurrenz schlafe nicht, so Schenderlein. "Und die Olympischen Spiele zeigen ja auch immer wieder, dass es Überraschungen gibt. Aber wir drücken fest die Daumen und wünschen uns ganz viele deutsche Medaillenerfolge." Die Winterspiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo starten am Freitag.

Quelle: ntv.de, tko/shu

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