Politik

Zeitpunkt und Kandidat falsch Scholz bringt SPD gegen sich auf

RTS262ML.jpg

Scholz bekommt nun Gegenwind wegen seiner Ambitionen.

(Foto: REUTERS)

Bundesfinanzminister Scholz teilt seine Kanzlerambitionen mit. Zwar relativiert er seine Aussage. Doch innerhalb der SPD punktet er damit nicht. Vor allem die Jusos laufen Sturm. Andere warnen vor einem intransparenten Verfahren.

Bundesfinanzminister Olaf Scholz stößt mit seinen Ambitionen auf die Kanzlerkandidatur auf wenig Begeisterung in seiner Partei. "Das ist der falsche Zeitpunkt, der falsche Mann und die falsche Methode", sagte Juso-Vize Katharina Andres der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ). Insbesondere der Zeitpunkt von Scholz' Äußerung sorgte auch bei anderen Sozialdemokraten für Kritik.

"Das Letzte, was die SPD vor der so wichtigen Europawahl (im Mai) braucht, ist es, eine Kanzlerkandidaten-Debatte zu führen", sagte der SPD-Landeschef von Nordrhein-Westfalen, Sebastian Hartmann, den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. "Ich erwarte nach dem schwierigen Jahr 2018, dass sich alle Vertreter der Parteiführung auf die wesentlichen Dinge konzentrieren."

Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil sagte der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung": "Im Moment stellt sich diese Frage innerhalb der SPD nicht besonders dringlich, denn bis zu der nächsten Bundestagswahl sind es noch mehr als zwei Jahre."

Scholz hatte der "Bild am Sonntag" gesagt, die SPD wolle den nächsten Kanzler stellen. Auf die Frage, ob er selbst sich das Amt des Bundeskanzlers zutraue, antwortete er mit "ja". Ausdrücklich hatte er aber auch hinzugefügt: "Weder bei der Union noch bei uns steht diese Frage heute aber an."

Stegner legt nach

Juso-Vize Andres sagte der HAZ weiter, für sie sei SPD-Chefin Andrea Nahles die "erste Wahl". Dies gelte auch, weil es "an der Zeit ist, dass die SPD eine Frau zur Kanzlerkandidatin macht".

NRW-Landeschef Hartmann betonte, die Entscheidung über die Spitzenkandidatur dürfe nicht im Hinterzimmer passieren. "Bei der künftigen Besetzung von Spitzenpositionen in der SPD muss es um größtmögliche Beteiligung gehen. Ich unterstütze ausdrücklich die Idee einer Urwahl", sagte er.

Am Wochenende hatte sich bereits SPD-Bundesvize Ralf Stegner kritisch zu Scholz geäußert. Nun legte er nach: "Wir haben mit Selbstausrufungen nicht die besten Erfahrungen gemacht", sagte er den Zeitungen des Redaktionsnetzwerks Deutschland. Gleichzeitig plädierte auch Stegner für einen Wettstreit mehrerer Bewerber. "Ich glaube, dass wir mit mehreren Bewerbern um die Kanzlerkandidatur gut beraten wären", sagt er. "Die meisten Mitglieder wünschen sich, dass es einen Wettbewerb gibt."

Quelle: n-tv.de, jwu/AFP/dpa