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"Als ob sich keiner traut" Scholz erklärt Gründe für seine Kandidatur

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Nun wäre es doch denkbar, dass Vizekanzler Olaf Scholz neuer SPD-Vorsitzender wird.

(Foto: REUTERS)

Ursprünglich wollte Finanzminister Olaf Scholz nicht für den SPD-Vorsitz kandidieren. Nun bekundet der SPD-Politiker plötzlich doch sein Interesse an dem Chefposten. Scholz argumentiert: Nachdem sich die Suche nach Kandidaten schwierig gestalte, habe er die Lage nun neu bewertet.

Vizekanzler Olaf Scholz begründet seine Kandidatur für den SPD-Vorsitz mit der mangelnden Bereitschaft prominenter Genossen, anzutreten. "Natürlich hat mich die Debatte über die Frage bewegt, warum aus der Spitze der Partei keiner antritt. Es tut der SPD nicht gut, wenn es so rüberkommt, als ob sich keiner traut. Das stimmt ja nicht. Auch nicht für mich", sagte Scholz im Interview mit "Bild am Sonntag".

Der Bundesfinanzminister hatte mit Verweis auf seine Regierungsämter und die dadurch entstehende Zeitbelastung eine Kandidatur bislang ausgeschlossen. Seine Kehrtwende erklärt er so: "Ich bin nicht eitel genug, um mich für den einzig Richtigen zu halten. Aber ich bewerte die Lage neu. Aus Verantwortung für die SPD habe ich damals gesagt, dass ich den Parteivorsitz nicht anstrebe. Nun sind einige Wochen ins Land gegangen. Viele von denen, die ich gern an der Spitze gesehen hätte, kandidieren nicht. Das kann ich nicht ignorieren." Scholz betonte, dass er auch während der Kandidatur mit den 23 Regionalkonferenzen das Finanzministerium leiten werde. "Es geht hier gerade nicht um Arbeitsbelastung, sondern um die SPD."

Enorme Kosten für SPD

Das anstehende Verfahren zur Suche einer Parteispitze kommt die SPD teuer zu stehen. SPD-Sprecher Philipp Geiger sagte auf Anfrage der "Welt am Sonntag", die Partei rechne mit bis zu 1,7 Millionen Euro Ausgaben für Briefwahl, Saalmieten und Reisekosten. Erst 2018 hatte die SPD eine Summe in ähnlicher Größenordnung für ein Mitgliedervotum über die dritte Beteiligung an einer großen Koalition ausgegeben.

Seit Anfang 2018 verloren die Sozialdemokraten dem Blatt zufolge zudem mehr als 37.000 Mitglieder. Die Zahl der Genossen sei von damals 463.723 auf 426.352 Ende Juni dieses Jahres gesunken. Bei den Abgängen handele es sich keineswegs vorwiegend um Sterbefälle, sondern dem Vernehmen nach zum großen Teil um Austritte.

Quelle: n-tv.de, kpi/rts/AFP

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