Politik

Altkanzler mit Lob für Merkel Schröder für neue Schulden wegen Corona

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Schröder war in der SPD immer umstritten - bis heute. Allerdings ist er der bislang letzte Genosse, der das Kanzleramt erobert hat.

(Foto: picture alliance/dpa)

Sieben Jahre war er Kanzler, mittlerweile tritt er vor allem als Putin-Freund in Erscheinung: Gerhard Schröder. Der einstige SPD-Chef äußert sich nun zur Schwarzen Null in Zeiten des Coronavirus. Und dann hat er noch ein überraschendes Lob für seine Nachfolgerin.

Altkanzler Gerhard Schröder hält es in der Corona-Krise für geboten, dass die Bundesregierung zur Stützung der Wirtschaft auch neue Schulden aufnimmt. "Wenn das anhält, wird es darum gehen, diese Ideologie der Schwarzen Null mal endlich zu überwinden", sagte der frühere SPD-Politiker bei einer Veranstaltung des Redaktionsnetzwerks Deutschland in Berlin. "Um nicht in die Rezession zu rutschen, werden wir national mehr tun müssen."

Der 75-jährige Altkanzler sagte, er persönlich habe keine Ängste wegen Corona, obwohl er in seinem Alter zur Risikogruppe gehöre. "Man kann ja nicht leben mit dieser ständigen Vorsorge. Man verhält sich, wie es vernünftig ist". Er wasche sich regelmäßig die Hände und verzichte im Augenblick auf Reisen nach Norditalien. An Hamsterkäufe denke er nicht: "Ich habe keine Vorräte zu Hause."

Schröder sprach sich auch für einen Neuanfang in der Russland-Politik ohne Sanktionen wegen des Ukraine-Konflikts aus. An die Stelle der Strafmaßnahmen sollte wieder der Dialog treten, sagte er. "Man kann dieses Land und seine Bevölkerung nicht erpressen." Die Europäische Union hatte 2014 nach dem Beginn der Ukraine-Krise Wirtschaftssanktionen gegen Russland verhängt, die zuletzt im Dezember um ein halbes Jahr verlängert wurden. Aus der SPD gibt es immer wieder Forderungen nach einem Ende der Strafmaßnahmen, die auch die deutsche Wirtschaft treffen.

Schröder betonte, Deutschland müsse sich wieder darauf besinnen, dass Russland ein Nachbar sei und zu einer "rationalen Position" kommen. Dabei müsse man auch Verständnis für russische Empfindsamkeiten aufbringen. "Ich habe nie verstanden, dass Russland-Versteher ein Schimpfwort ist", sagte der Altkanzler, der von 1998 bis 2005 eine rot-grüne Regierung führte.

Überdies hatte Schröder Lob für seine Nachfolgerin Angela Merkel übrig: "Alles in allem hat sie doch einen ordentlichen Job gemacht", sagte er. Zum Richtungsstreit in der CDU sagte er, die Partei sei "auf dem Holzweg", wenn sie glaube "durch rechte Rabulistik" (Spitzfindigkeiten) die AfD bekämpfen zu können. Nach seinem größten Fehler als Kanzler gefragt, sagte er: "Die Fehler, die man gemacht hat, vergisst man einfach."

Quelle: ntv.de, vpe/dpa