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Mit Schuss auf Eritreer geprahlt Schütze stand wohl mit Polizei in Kontakt

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Ob Zufall oder nicht - Der rechtsextreme Angriff fand am 22. Juli, dem Jahrestag der Anschläge in Norwegen 2011, statt.

Im Fall der rassistischen Attacke in Wächtersbach kommen immer mehr Details über den Schützen ans Licht. Nach den Schüssen auf einen Eritreer soll der mutmaßliche Täter mit seiner Tat geprahlt haben. Er stand zudem wohl in Kontakt mit der Polizei.

Die Polizei in Hessen hat vor dem Angriff auf den 26-jährigen Eritreer in Wächtersbach am Montag keinen Hinweis bekommen. Jedoch habe es eine "Kommunikation zwischen dem Tatverdächtigen und der Polizei nach der Tat" gegeben, sagte Oberstaatsanwalt Alexander Badle. Zum Inhalt dieses Gesprächs machte er keine Angaben. Die Bundesregierung verurteilte den Angriff als "abscheuliche Tat".

Recherchen des Hessischen Rundfunks (HR) zufolge soll der 55-Jährige in seiner Stammkneipe in Biebergemünd vor und nach den Schüssen mit der Tat geprahlt haben. In dem Lokal soll er am Vormittag erklärt haben, "er knalle nun einen Flüchtling ab", berichtete der HR. Nach den Schüssen sei er zurück in die Kneipe gefahren und habe von der Tat berichtet.

Die "Welt" berichtete online, dass der 55-Jährige ein versierter Sportschütze gewesen sei. "Er war ein Waffennarr", sagte der Vorsitzende des örtlichen Schützenvereins Neudorf 61 der Zeitung. Der 55-Jährige sei dem Verein 2001 beigetreten und habe mehrere Kreismeisterschaften im Schießen gewonnen. Zuletzt sei er im Februar im Verein gesehen worden, sagte Jost.

Bundesregierung verurteilt "abscheuliche Tat"

Die Bundesregierung verurteilte den Angriff. "Die Bundesregierung ist bestürzt über diese Tat und verurteilt sie auf das Schärfste", sagte die stellvertretende Regierungssprecherin Ulrike Demmer in Berlin. "Das ist eine abscheuliche Tat, die nicht hingenommen werden darf."

Die Bekämpfung rechtsextremistischer Straf- und Gewalttaten sei ein "Kernanliegen" der Bundesregierung. "Wir nehmen diese Gefahr sehr ernst", betonte Demmer. Die Sicherheitsbehörden arbeiteten "mit aller Kraft daran, dass alle Menschen in Deutschland in Sicherheit leben können".

Ein Sprecher des Bundesinnenministeriums verurteilte den Angriff ebenfalls auf das Schärfste. Er nannte zugleich die bisherige Informationslage noch nicht ausreichend, um eine abschließende Bewertung vorzunehmen. Derartige Vorfälle würden "mit höchster Sensibilität" beobachtet.

Der Ministeriumssprecher verwies darauf, dass "wir es im rechtsextremen Spektrum mit Personen zu tun haben, die waffenaffin sind". Im vergangenen Jahr hätten die zuständigen Behörden mehrere Hundert Waffenerlaubnisse entzogen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer habe bereits nach dem Mord an dem Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke deutlich gemacht, dass er "eine klare Erwartungshaltung" habe, zu prüfen, wie Rechtsextremismus noch intensiver bekämpft werden könne, sagte der Ministeriumssprecher weiter.

Ein Sprecher des Bundesjustizministeriums zeigte sich bestürzt darüber, dass es innerhalb kürzester Zeit wieder zu einer mutmaßlich rechtsextremen Tat gekommen sei - und dies am 22. Juli, dem Jahrestag der Anschläge in Norwegen 2011 durch den Rechtsextremisten Anders Breivik. Der Verfolgungsdruck müsse erhöht werden, unterstrich er.

Der mutmaßliche Täter hatte am Montagmittag aus einem Auto heraus auf den Eritreer geschossen und diesen schwer verletzt. Anschließend floh er und erschoss sich selbst. Er wurde am Nachmittag leblos in einem Auto im benachbarten Biebergemünd entdeckt. Die Polizei fand bei der Durchsuchung seines Wagens und seiner Wohnung fünf Waffen, die er legal besessen haben soll. Der Eritreer wurde wegen seiner Hautfarbe angeschossen.

Quelle: n-tv.de, Annalena Dörner, AFP

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