Politik
Die "Demonstration der Liebe" in Stockholm.
Die "Demonstration der Liebe" in Stockholm.(Foto: dpa)
Montag, 10. April 2017

Elfjährige unter Anschlagsopfern: Schweden erhebt sich gegen Terror

In Stockholm lassen sich die Menschen nicht von dem tödlichen Terroranschlag am Freitag unterkriegen. Abertausende strömen am Sonntag zur "Demonstration der Liebe" und gedenken der vier Opfer. Der mutmaßliche Attentäter soll derweil "zufrieden" sein mit seiner Tat.

Im Zentrum der schwedischen Hauptstadt Stockholm haben zehntausende Menschen gemeinsam der Opfer des tödlichen Terroranschlags vom Freitag gedacht. Auf dem Sergels-Platz hakten sie sich bei der "Demonstration der Liebe" unter und hielten eine Schweigeminute ab. Laut der Stadtverwaltung kamen 20.000 Menschen, die Veranstalter sprachen von 50.000.

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"Wir reden, wir kämpfen nicht", sagte eine Frau, die die Veranstaltung gemeinsam mit ihrer Mutter besuchte. "Ob in Berlin, Brüssel, Paris oder Stockholm, das Gefühl ist überall dasselbe, unabhängig von der Nationalität", sagte ein in Schweden lebender Deutscher. Stockholms Bürgermeisterin Karin Wanngard pries ihre "durch Offenheit und Toleranz charakterisierte Stadt". "Angst darf nicht regieren. Terror kann nicht gewinnen", sagte sie.

Bereits das ganze Wochenende über herrschte Trauer in der schwedischen Hauptstadt. Die Flaggen am Königspalast, am Regierungssitz, am Parlament und am Stockholmer Rathaus wurden nach dem tödlichen Lkw-Anschlagmit vier Toten am Freitag auf Halbmast gesetzt.

Elfjährige unter den Opfern

Inzwischen ist auch die Identität der Getöteten geklärt. Nach Polizeiangaben handelt es sich um zwei Schweden, einen Briten und einen Belgier, deren Familien inzwischen informiert worden seien. Unter den Todesopfern sei auch ein elfjähriges schwedisches Mädchen.

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Spotify-Gründer Daniel Ek bestätigte zudem, dass es sich bei dem Briten um einen langjährigen Mitarbeiter des Musik-Streamingdienstes handelt. Auf Facebook schrieb er: "Es gibt keine Worte um zu beschreiben, wie sehr wir ihn vermissen werden und wie traurig wir sind, ihn auf diese Weise verloren zu haben."

"Zufrieden mit dem, was er getan hat"

Bei den Ermittlungen prüfen die schwedischen Behörden derzeit einen islamistischen Hintergrund. Der mutmaßliche Attentäter, ein 39-jähriger Usbeke der aus Schweden abgeschoben werden sollte, sagte Polizeichef Jonas Hysing am Sonntag in Stockholm. "Wir wissen, dass er Interesse an extremistischen Organisationen wie dem IS gezeigt hat."

Demnach hatte der Usbeke 2014 einen Antrag auf Bleiberecht in Schweden gestellt, der im Juni 2016 abgelehnt worden sei. Im Dezember sei ihm dann eine Frist von vier Wochen gesetzt worden, das Land zu verlassen, sagte Hysing. "Im Februar 2017 wurde der Fall an die Polizei übergeben, die die Anweisung umsetzen sollte. Allerdings war der Betroffene abgetaucht."

Die Zeitung "Expressen" berichtete am Sonntag, der Festgenommene habe die Tat gestanden. Er sei "zufrieden mit dem, was er getan habe". Demnach handelt es sich um einen Bauarbeiter und Vater von vier Kindern.

Die Staatsanwaltschaft legt dem Usbeken nach eigenen Angaben "terroristische Tötungen" zur Last. Der Geheimdienst fahndete nach "möglichen Komplizen oder Netzwerken, die in die Attacke verwickelt sein könnten". In diesem Zusammenhang nahm die Polizei in Stockholm am Wochenende sechs weitere Menschen in Gewahrsam. Ein Festgenommener wurde formell als Verdächtiger im Zusammenhang mit dem Anschlag festgesetzt, sagte eine Bezirksrichterin am Sonntag. Zu dessen Verbindungen zu dem mutmaßlichen Attentäter machte sie zunächst keine Angaben.

Quelle: n-tv.de