Politik

"Anne Will" vorab gewarnt Schweizer Justiz irritiert über Niqab-Auftritt

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Nora Illi ist Frauenbeauftrage des sogenannten Islamischen Zentralrats der Schweiz - einer radikalen Splittergruppe, von der sich die große Mehrheit der Schweizer Muslime distanziert.

(Foto: dpa)

Eine vollverschleierte Muslima mit äußerst fragwürdigen Ansichten tritt bei "Anne Will" auf. Bereits während der Sendung hagelt es heftige Kritik an der Redaktion. Die war offenbar vorgewarnt - von der Schweizer Bundesanwaltschaft höchstselbst.

Der Auftritt der vollverschleierten Muslima Nora Illi bei "Anne Will" hat die Gemüter in Deutschland erhitzt. Nicht nur die Ansichten der 30-Jährigen Schweizerin sorgten bereits während der Sendung für Empörung. Auch die Redaktion der Sendung geriet in die Kritik angesichts der Frage, ob man dieser dubiosen Persönlichkeit eine Plattform vor einem Millionenpublikum bieten dürfe.

Diese Kritik verschärft sich nun weiter. Wie die "Bild"-Zeitung berichtet, hatte die Schweizer Bundesanwaltschaft die Redaktion vor Illi gewarnt. Man sei sehr irritiert über die Plattform, die dem sogenannten Islamischen Zentralrat der Schweiz (IZRS) im öffentlich-rechtlichen Fernsehen geboten werde, sagte ein Sprecher dem Blatt. "Dies umso mehr, als dass der besagten Sendung vorgängig auf Anfrage hin mitgeteilt wurde, dass ein Strafverfahren anhängig ist gegen ein Vorstandsmitglied des IZRS sowie gegen Unbekannt."

Das Verfahren war am 9. Dezember 2015 eröffnet worden wegen "wegen des Verdachts des Verstoßes gegen Art. 2 des Bundesgesetzes über das Verbot der Gruppierungen Al-Kaida und Islamischer Staat sowie verwandter Organisationen." Konkret heißt das: Dem Vorstandsmitglied, bei dem es sich nach Angaben der Bundesanwaltschaft um einen deutschen Staatsbürger handelt, wird unter anderem vorgeworfen, seine Reise in umkämpfte Gebiete in Syrien in einem Video propagandistisch dargestellt zu haben, ohne sich explizit von den Al-Qaïda-Aktivitäten in Syrien zu distanzieren.

Einladung "sorgfältig abgewogen"

Die Redaktion verteidigte sich: Es sei zwar ein Versäumnis gewesen, dass in der Sendung nicht explizit auf die Tatsache der Ermittlung gegen ein Mitglied der Vereinigung hingewiesen worden sei. Bei dem Gespräch mit der Bundesanwaltschaft sei aber nicht von einer Einladung Illis abgeraten worden.

Juliane von Schwerin, die verantwortliche Redakteurin für die Sendung, teilte in einer Stellungnahme mit: "Die Redaktion hat die Einladung von Frau Illi sorgfältig abgewogen. Für das gewählte Thema der Sendung und in Kombination mit den anderen Gästen hielten und halten wir ihre Teilnahme für vertretbar und richtig." Die Zusammensetzung der Diskussionsrunde habe zu einer angemessenen und notwendigen Auseinandersetzung geführt, die umstrittene Haltung von Frau Illi sei deutlich zu Tage getreten und heftig diskutiert worden.

Auch Illi selbst meldete sich nach der Sendung noch einmal zu Wort. Sie beklagt, ihr Text sei nur ausschnittsweise vorgetragen worden und er sei zudem zu einer Zeit geschrieben worden, "als die Medien das Phänomen der Dschihad-Reisen erst gerade als Problem zu identifizieren begannen."

Quelle: n-tv.de, fma

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