Politik

Attacke auf deutsches Konsulat Sechs Menschen sterben bei Taliban-Angriff

Trotz schärfster Sicherheitsvorkehrungen dringen offenbar mehrere Angreifer auf das Gelände des deutschen Generalkonsulats vor, zeitgleich explodiert eine Autobombe an der Außenmauer des Gebäudes. Mindestens sechs Menschen sterben bei dem Angriff.

Die Taliban begründen ihren tödlichen Anschlag auf das deutsche Generalkonsulat im nordafghanischen Masar-i-Scharif mit einer deutschen Mitverantwortung an einem US-Luftangriff mit vielen Opfern. Das teilte der Sprecher der Taliban, Sabiullah Mudschahid, mit.

Deutschland sei an einem Luftangriff in der nordafghanischen Provinz Kundus beteiligt gewesen, bei dem in der Nacht des 3. Novembers mehr als 30 Zivilisten ums Leben gekommen waren. Die Deutschen hätten den US-Streitkräften die notwendigen nachrichtendienstlichen Informationen zukommen lassen. Deshalb sei in der Nacht das Generalkonsulat angegriffen worden.

Deutsche Mitarbeiter in Sicherheit

*Datenschutz

Nach der Explosion der gegen 23.00 Uhr gezündeten Lastwagenbombe ist die Zahl der Toten bis zum Morgen auf mindestens sechs angestiegen. Der Chef des Zivilkrankenhauses der Stadt, Nur Mohammed Fais, sagte, bisher seien fünf Leichen in das Krankenhaus eingeliefert worden. Nach Polizeiangaben war auch ein Attentäter ums Leben gekommen, als er vor dem Konsulat die Bombe zündete. Mehr als 120 Menschen sind nach Klinikangaben bei der massiven Explosion verletzt worden.

Alle deutschen Mitarbeiter des Konsulats sind laut einer Mitteilung des Auswärtigen Amtes "sicher und unverletzt". Der renommierte afghanische Journalist Bilal Sarwary berichtete unter Berufung auf Sicherheitskreise, sie seien in das von der Bundeswehr geführte, etwa zehn Kilometer entfernte Militärlager Camp Marmal gebracht worden. Im Generalkonsulat arbeiten etwa zwei Dutzend deutsche Mitarbeiter.

Unklar ist noch, wieviele Talibankämpfer an dem Angriff beteiligt waren. Der Polizeichef der Stadt, Saied Sadat, sagte, am Morgen sei gegen 6.00 Uhr ein zweiter Attentäter entdeckt und festgenommen worden. Er sei unter Schutt begraben gewesen oder habe sich dort versteckt. In der Nacht hatte er von einem Angreifer gesprochen. In der Mitteilung des Auswärtigen Antes war die Rede von mehreren "schwer bewaffneten Angreifern", die "vom Sicherheitspersonal des Generalkonsulats, von afghanischen Sicherheitskräften und Sondereinsatzkräften von "Resolute Support" zurückgeschlagen worden" seien.

"Rache" für Luftangriff

In der Nacht hatten die Taliban eine Stellungnahme veröffentlicht, wonach der Angriff auf das Konsulat "Rache" für den Luftangriff in Kundus war. Deutschland wurde als "Invasorenland" bezeichnet. Nach Auskunft der Bundesregierung war die Bundeswehr am fraglichen Luftangriff aber nicht beteiligt. Der Sprecher der US-Streitkräfte in Afghanistan, General Charles Cleveland, hatte nach dem Angriff per E-Mail bestätigt, dass die USA einen Luftangriff zum Schutz einer unter Beschuss geratenenen afghanisch-amerikanischen Bodenoffensive ausgeführt hatten.

Der Talibansprecher sagte am Morgen: "Wieso sollten wir die Deutschen nicht angreifen? Deutschland war direkt beteiligt an dem Luftschlag, der Zivilisten das Leben gekostet hat. Dieser Luftangriff basierte auf nachrichtendienstlichen Informationen, die deutsche Soldaten den US-Truppen gegeben haben. Jeder weiß, dass sie noch ein Lager in Nordafghanistan haben. Deutsche Soldaten sind noch immer dort."

*Datenschutz

Quelle: n-tv.de, jve/jgu/kpi/dpa

Mehr zum Thema