Politik

CSU-Neujahrsklausur in Seeon Seehofer im Auge des Schneesturms

Der CSU-Chef markiert weiter den starken Mann gegenüber der Schwesterpartei CDU. Vielen Bayern ist das wurscht. Sie sorgen sich mehr um Schneestürme als um Flüchtlinge im Dorf.

Eisig pfeift der Wind über den weißen, zugefrorenen Chiemsee. Es sieht beschaulich auch. Selten rollen Autos über die verschneiten Straßen. Die CSU tagt im kleinen Ort Seeon, direkt am Chiemsee. Und die Oberbayern am See freuen sich, dass die Bundestagsfraktion der CSU nun Anfang Januar hier zur Neujahrsklausur kommt – und nicht mehr ins Wildbad Kreuth. "Das ist gut für den Tourismus hier, macht uns berühmter", lacht ein älterer Herr an einer Bushaltestelle in Seeon. Er zeigt rüber zum Kloster Seeon und erzählt, dass dort nach dem zweiten Weltkrieg unterm Dach viele Flüchtlinge untergebracht worden seien. "Sieben, acht Flüchtlinge aus dem Kloster sind immer noch hier im Ort, sind verheiratet und sind echte Oberbayern geworden", erzählt der Rentner. Das sei doch ein gutes Zeichen.

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"Am Wochenende sind viele Leut' auf dem See Schlittschuh gelaufen". Dahinter tagt die CSU.

(Foto: dpa)

Während Landesvater und CSU-Chef Seehofer im Kloster eintrifft, ist Mittagszeit im "Gasthaus Neuwirt" in Seeon. "Am Wochenende sind viele Leut' auf dem See Schlittschuh gelaufen", berichtet eine freundliche ältere Dame und nippt an ihrem Kaffee. Es seien in den letzten Tagen sogar schon einige am Rand ins Eis eingebrochen. Das Eis taue nun, weil der Schnee drauf liegt. Dass die CSU in Sichtweite tagt, wird zur Kenntnis genommen.

Und Seehofer? Was hält man hier vom Landesvater, der so gerne die Bundeskanzlerin attackiert? Die Rentnerin winkt mit der Hand ab und sagt, "wissen's, der ist scho' okay, ich interessiere mich nicht so für Politik, aber dass der immer wieder streitet, des g'fallt mir nett".

"Die meisten sind doch eh schon wieder weg"

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"Die Union muss geschlossen sein. Wir nehmen die Forderung nach einer Obergrenze aber sehr ernst", betont Seehofer.

(Foto: dpa)

Seehofers Pläne für eine Obergrenze für Flüchtlinge kennt die gebürtige Oberbayerin auch. In der Region hatten die Menschen in den vergangenen anderthalb Jahren immer wieder mit Flüchtlingen zu tun. Im Nachbarort Roitham habe man die Flüchltinge im Sommer auf der Straße gesehen. "Aber die haben sich einwandrei benommen, keine Scherereien von denen ich gehörte hätte", betont die ältere Dame. Die Wirtin ruft rüber: "Und einer von denen arbeitet sogar beim Edeka."

Deshalb verstehen viele im kleinen Dorf Seeon die Aufregung über das Wort Obergrenze nicht so ganz. "Die meisten sind doch eh schon wieder weg", sagt ein Mann am Nachbartisch. In der Region gebe es ohnehin kaum Mietwohnungen, da sei es schwer Flüchtlinge unterzubringen. Doch eine Obergrenze fänden einige hier eigentlich nicht schlecht. Aber auch nicht so wichtig.

Doch Horst Seehofer gibt nicht nach. Er legt sogar immer wieder nach. Während vor den Fenstern des Klosters in Seeon dicke Schneeflocken durch den Wind wirbeln, wippt der CSU-Chef ruhig und angriffslustig vor den Mikofonen auf und ab. Anfang Februar wollen sich CDU und CSU in München zu einer Klausur treffen, gemeinsam Themen für den Wahlkampf festlegen und Merkel gemeinsam als ihre Kanzlerkandidantin präsentieren. Das Treffen werde weiter geplant, bemerkt der CSU-Chef. "Die Union muss geschlossen sein. Wir nehmen die Forderung nach einer Obergrenze aber sehr ernst", betont Seehofer noch einmal. Mit anderen Worten: Die CDU soll sich doch bewegen und endlich das Wort "Obergrenze" sagen, sonst werde die gemeinsame Klausur von CSU Seite platzen lassen.

Sollte Seehofer wirklich die CDU-CSU-Runde in München absagen, könnte das das Ende der Union aus CDU und CSU sein. Ein Start ins Wahlkampfjahr, in dem die CSU Angela Merkel nicht unterstützt, ist zwar schwer vorstellbar.

Vielleicht will Horst Seehofer ja Geschichte schreiben. Ausgeschlossen ist das nicht.

Quelle: n-tv.de

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