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Sonntag, 03. Dezember 2017

CSU erhält Doppelspitze: Seehofer ist bereit, vorzeitig abzutreten

Seit der desaströsen Bundestagswahl steht CSU-Chef Horst Seehofer parteiintern unter Druck. Berichten zufolge scheint seine Zukunft nun geklärt: Demnach könnte Seehofer das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten bereits im ersten Quartal 2018 niederlegen.

CSU-Chef Horst Seehofer will das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten womöglich vorzeitig an einen Nachfolger abtreten. Als möglichen Zeitpunkt habe er das erste Quartal 2018 genannt, erfuhr die Deutsche Presseagentur aus der engsten Parteiführung. Zuvor hatte Seehofer vorgeschlagen, auf dem Parteitag im Dezember zwar wieder als Parteivorsitzender anzutreten, im Herbst 2018 aber nicht erneut als Spitzenkandidat in die bayerische Landtagswahl zu ziehen. Beides berichtete auch die "Augsburger Allgemeine".

Seehofer steht seit dem Fiasko der CSU bei der Bundestagswahl unter Druck, mindestens eines seiner beiden Spitzenämter abzugeben. Mit den anderen Spitzenvertretern der Partei diskutierte er am Sonntag in München das weitere Vorgehen. Spätestens am Montag will der 68-Jährige seine Zukunftspläne offiziell vorstellen - in Sondersitzungen von Landtagsfraktion und Parteivorstand.

"Ich habe einen Vorschlag gemacht, den ich als Konsensvorschlag bezeichne, in unzähligen Gesprächen, und der ist allgemein gut geheißen worden", sagte Seehofer am Sonntagabend nachdem die Sitzungen in München beendet waren. Mit diesem Vorschlag gehe er am Montag in die CSU-Landtagsfraktion und den Parteivorstand - "und ich nehme an auch auf den Parteitag". Details zu seinem Vorschlag wollte Seehofer nicht nennen.

Unklar ist weiter, ob Finanzminister Markus Söder im Falle von Seehofers Verzicht der einzige Kandidat für das Amt des bayerischen Ministerpräsidenten ist oder ob es in der Fraktion eine Kampfabstimmung mit Innenminister Joachim Herrmann geben wird. Informationen der "Augsburger Allgemeinen", wonach Seehofer seinen Posten an Söder abgeben wolle und es keine Kampfkandidatur geben werde, wurden in Parteikreisen zunächst nicht bestätigt. Es sei noch keine Entscheidung gefallen, hieß es.

"Gemeinsam die riesigen Aufgaben anpacken"

Sollten Landtagsfraktion und Parteivorstand der Doppelspitze am Montag zustimmen, könnte der Führungsstreit in der CSU befriedet werden. Die Fraktion dürfte Seehofers größten Rivalen Söder als ihren Favoriten für die Spitzenkandidatur vorschlagen, am Montag will sie noch vor der Vorstandssitzung darüber abstimmen.

"Der ganz überragende Wunsch in der Partei ist, dass wir im Konsens, gemeinsam die riesigen Aufgaben anpacken, um die es geht", hatte Seehofer vor den Gesprächen am Sonntag erklärt. "Jetzt versuchen wir so schnell wie möglich, wieder zu der legendären Gemeinsamkeit und Geschlossenheit zu kommen, die die CSU über Jahrzehnte ausgezeichnet hat", möglichst ab Montag.

Der Vorstand von Seehofers CSU-Heimatverband Oberbayern hatte sich am Samstag dafür ausgesprochen, dass er auf dem Parteitag Mitte Dezember noch einmal als Parteichef antritt. Bezirkschefin Ilse Aigner sagte, angesichts der ungeklärten Situation in Berlin wäre dies "ein stabilisierender Faktor". Der CSU-Ehrenvorsitzende Edmund Stoiber rief Seehofer wegen der Lage in Berlin zu, er könne nicht zur Halbzeit das Spielfeld verlassen. "Das Spiel ist noch nicht aus."

Quelle: n-tv.de