Politik

AKW teils wieder am Stromnetz Selenskyj: Sind Super-GAU nur knapp entgangen

Nach einem Notfall ist das AKW im ukrainischen Saporischschja stundenlang von der regulären Stromversorgung abgeschnitten. Mittlerweile ist einer der sechs Reaktoren nach Angaben des Betreibers wieder am Netz angeschlossen. Laut Präsident Selenskyj war ganz Europa "nur einen Schritt von einem atomaren Desaster entfernt".

Die Ukraine und weite Teile Europas sind nach den Worten von Präsident Wolodymyr Selenskyj nur knapp einer nuklearen Katastrophe entgangen. Europas größtes Atomkraftwerk in Saporischschja im Südosten der Ukraine sei über mehrere Stunden vom Stromnetz getrennt gewesen, was zu einem Super-GAU hätte führen können, sagte Selenskyj und machte dafür russischen Beschuss verantwortlich. Mittlerweile scheint sich die Lage etwas zu beruhigen: Nach Angaben der staatlichen ukrainischen Betreibergesellschaft Energoatom ist einer der Reaktoren wieder an das ukrainische Netz gegangen und baut Kapazitäten auf.

Am Morgen waren alle sechs Reaktoren des Kraftwerks nach Angaben von Energoatom zunächst noch vom ukrainischen Stromnetz abgeschnitten gewesen. Selenskyj nannte als Grund dafür Brände nach einem russischen Granatenbeschuss in der Nähe des Kraftwerks. Ein Vertreter Russlands machte die Ukraine für den Zwischenfall verantwortlich. Selenskyj lobte die ukrainischen Techniker, die mit Hilfe von Diesel-Generatoren die Stromzufuhr für die Meiler gesichert und damit dafür gesorgt hätten, dass die Kühlungs- und andere Sicherheitssysteme in Betrieb geblieben wären. "Hätten unsere Leute nicht so reagiert auf den Blackout, dann hätten wir die Konsequenzen eines radioaktiven Unfalls tragen müssen", sagte er am Donnerstagabend.

Zuvor war es in dem AKW zu einem Notfall gekommen, infolge dessen es in den umliegenden Regionen einen massiven Stromausfall gab. Der Kiewer Darstellung zufolge wurde das AKW nach russischem Beschuss zwischenzeitlich komplett vom regulären ukrainischen Stromnetz abgeklemmt und nur noch über eine Notleitung mit Elektrizität versorgt. Die beiden bis zuletzt betriebenen Reaktorblöcke seien notabgeschaltet worden.

Moskau erwartet baldige Expertenmission

Das Atomkraftwerk wird seit März von russischen Truppen besetzt, aber weiterhin von ukrainischen Technikern betrieben. "Russland hat die Ukraine und alle Europäer in eine Situation gebracht, die nur einen Schritt von einem atomaren Desaster entfernt war", sagte Selenskyj. "Jede Minute, die die russischen Truppen noch in dem nuklearen Kraftwerk bleiben, ist ein Risiko für eine globale atomare Katastrophe." Die Anlage ist in den vergangenen Wochen mehrfach unter Beschuss geraten. Russland und die Ukraine geben sich dafür gegenseitig die Schuld. Die Angaben sind nicht unabhängig zu überprüfen.

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Wie Selenskyj fordern auch westliche Staaten, dass Russland die Kontrolle über das AKW wieder an die Ukraine übergibt, was die Regierung in Moskau zurückweist. Zudem soll die Internationale Atomenergie-Agentur IAEA die Meiler inspizieren. Moskau rechnet mit einem baldigen Besuch der internationaler Experten vor Ort. "Es laufen aktive Vorbereitungen für einen Besuch" der IAEA in dem AKW, teilte der russische Vertreter bei den internationalen Organisationen in Wien, Michail Uljanow, mit. Zuvor hatte auch der ukrainische Energieminister Herman Haluschtschenko auf einen baldigen Besuch der Experten gedrängt.

Die Bundesregierung äußerte sich besorgt über die Entwicklungen in Saporischschja. Die Lage sei "sehr, sehr gefährlich", sagte eine Sprecherin des Auswärtigen Amtes in Berlin. "Wir verurteilen die Besetzung durch russische Truppen auf das Schärfste." Russland müsse die Kontrolle über das Atomkraftwerk umgehend an die Ukraine zurückgeben und die IAEA schnellstmöglich Zugang erhalten. Ein Regierungssprecher kündigte an, dass Bundeskanzler Olaf Scholz den ukrainischen Ministerpräsidenten Denys Schmyhal am 4. September im Kanzleramt empfangen werde.

Quelle: ntv.de, chf/rts/dpa

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