Politik

Besonders viele zivile Opfer Setzt Russland Streumunition ein?

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Ein durch Bomben zerstörtes Haus im ukrainischen Bucha.

(Foto: imago images/Ukrinform)

Das Recherche-Netzwerk Bellingcat hat Kriegsvideos aus der Ukraine ausgewertet. Demnach nutzt die russische Armee auch Streubomben, die besonders oft zivile Opfer fordern.

Das Video ist aus einem fahrenden Auto heraus aufgenommen, gefilmt durch die Windschutzscheibe. Als der Wagen an einer Kreuzung hält, gerät er in einen Bombenhagel, der dort niedergeht. Das Auto kann ausweichen, abbiegen - die Insassen sind gerettet. Für den Moment.

Russlands Machthaber Wladimir Putin erklärte schon vor Beginn seines Krieges gegen die Ukraine, die Verantwortung für mögliches Blutvergießen trage ausschließlich das "Regime" in Kiew. Doch viele, durch unabhängige Stellen verifizierte Videos aus der Ukraine, die im Netz kursieren, zeigen anderes: Sie belegen nicht nur, dass russische Truppen auch Wohnhäuser, sogar Krankenhäuser angreifen. Putins Militär nutzt darüber hinaus laut Bellingcat auch Streumunition, die wegen ihrer großen Reichweite besonders häufig Zivilisten tötet oder verstümmelt.

Die Rechercheure des Netzwerks haben parallel zu unabhängigen Forschern und der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) Foto- und Videomaterial von russischen Angriffen auf Wohngebiete überprüft und ausgewertet. Übereinstimmend kommen sie zu dem Ergebnis, dass dort Streubomben zum Einsatz gekommen sein müssen.

Kleine Sprengkörper gehen in einem Hagel nieder

HRW beschuldigt Russland unter anderem, eine Streubombe geworfen zu haben, die in der unmittelbaren Nähe eines Krankenhauses landete. Nach Bellingcat-Recherchen ging auch in Charkiw, der zweitgrößten Stadt der Ukraine, im Nordosten gelegen, mehrfach Streumunition nieder und sorgte für eine große Zahl von Verletzten und Todesopfern.

Beim Abwurf von Streumunition wird eine Bombe als Behälter für mehrere kleinere Bomblets, sogenannte Submunition, genutzt. Nach kurzer Fallzeit öffnet sich die äußere Hülle per Zeitzünder und die kleineren Sprengkörper gehen in einem Bombenhagel auf das Zielgebiet nieder. Das präzise Anvisieren eines - etwa militärischen - Zieles ist dabei weder technisch möglich noch beabsichtigt. Das führt unausweichlich zu vielen unbeteiligten Opfern, denen oftmals von der Wucht der Explosionen Gliedmaßen regelrecht abgerissen werden.

Mehr als 100 Staaten der Welt haben sich in einer Konvention darum geeinigt, Streubomben in militärischen Konflikten nicht zu nutzen, sie sind geächtet. Weder Russland noch die Ukraine, die beide Streubomben in ihrem Waffenarsenal haben, sind Mitunterzeichner der Konvention. Russland wurde schon beim Krieg in der Ostukraine und auch in dem mehr als ein Jahrzehnt andauernden Krieg in Syrien vorgeworfen, Streumunition zu nutzen.

Quelle: ntv.de, fni

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