Politik

Aylans Tante über Flüchtlinge "Sie wissen, dass sie nicht willkommen sind"

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Tima Kurdi im Jahr 2015 bei einer Gedenkveranstaltung für ihre toten Neffen und ihre Schwägerin.

(Foto: REUTERS)

Das Foto ihres toten Neffen steht wie kein anderes für die Tragödie ertrinkender Flüchtlinge im Mittelmeer. Drei Jahre, nachdem der dreijährige Aylan tot an einem Strand gefunden wurde, appelliert seine Tante Tima Kurdi an die Menschlichkeit in Europa.

Im September 2015 ging das Foto des dreijährigen Aylan Kurdi um die Welt, der auf der Flucht über das Mittelmeer ertrunken und an einen türkischen Strand gespült worden war. In einem Interview erinnert die Tante des Jungen, Tima Kurdi, nun eindringlich an das Schicksal von Flüchtlingen. "Keine Familie verlässt einfach alles, was sie hat in ihrem Land", sagte Kurdi dem Sender "Deutsche Welle". "Sie fliehen vor Gewalt, nicht aus freien Stücken."

Kurz vor dem Idlib-Gipfel in Teheran, an dem auch Russland und die Türkei teilnehmen, forderte Kurdi eine Lösung im syrischen Bürgerkrieg. "Wenn wir den Krieg und die Krise beenden, sehen wir diese Menschen nicht mehr aus ihrer Heimat fliehen", sagte sie. "Die Mehrheit der Menschen in den Flüchtlingslagern und in der Türkei will nach Hause gehen. Sie wissen alle, dass sie in Europa nicht mehr willkommen sind. Sie verfolgen die Nachrichten."

Die in Kanada lebende Syrerin erklärte, sie könne verstehen, warum manche europäische Länder keine Flüchtlinge mehr aufnähmen, erinnerte aber auch an das Recht auf Asyl. Italiens Entscheidung, Flüchtlingsboote abzuweisen, nannte sie "inakzeptabel und unmenschlich".

Danach gefragt, was sie jetzt fühle, wenn sie das Bild ihres toten Neffen sehe, antwortete Kurdi, es breche ihr noch immer das Herz. Sie wolle aber trotzdem, dass das Foto weiter gezeigt wird, damit die Menschen die andauernde Katastrophe im Mittelmeer nicht vergessen: "Es bestärkt Menschen, die ihre Herzen öffnen und anderen helfen wollen."

Aylan Kurdi war 2015 mit seiner Familie aus Syrien vor dem IS geflüchtet und auf der Überfahrt in Richtung Griechenland, als das Boot kenterte. Der Dreijährige, seine Mutter und sein fünfjähriger Bruder ertranken. Nur der Familienvater, Tima Kurdis Bruder, überlebte das Unglück.

Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR teilte im vergangenen Monat mit, dass allein in diesem Jahr bereits 1511 flüchtende Menschen im Mittelmeer ertranken. Die Zahl der Todesfälle steige, während die Zahl der in Europa ankommenden Flüchtlinge sinke.

Quelle: n-tv.de, fhe