Gewalt im WestjordanlandSiedler sollen palästinensischen Mann sexuell misshandelt haben

Israelische Siedler gehen immer radikaler gegen die palästinensische Bevölkerung im Westjordanland vor. Zuletzt nimmt die Vertreibung ein neues Ausmaß an. Nun berichtet CNN über einen besonders verstörenden Fall von Gewalt gegenüber einem Palästinenser.
Dutzende maskierte israelische Siedler haben offenbar mitten in der Nacht ein kleines Dorf im Westjordanland gestürmt und einen palästinensischen Mann sexuell misshandelt. Wie CNN nach einem Gespräch mit dem Opfer berichtet, fesselten die Siedler dem Mann die Hände und Beine und zogen ihn nackt aus. "Sie schnitten mir mit einem Messer den Gürtel ab, ebenso wie meine Boxershorts. Sie fesselten meinen Penis mit Kabelbindern, zogen sie fest und schleiften mich dann durch das ganze Dorf", erzählte der Palästinenser in seinem ersten Interview vor der Kamera gegenüber CNN.
"Ich habe Angst, dass sie zurückkommen, dass sie uns mitten in der Nacht umbringen, uns zu Tode prügeln oder unser Dorf niederbrennen, so wie sie es angekündigt haben." Die Nachrichtenagentur Reuters sprach mit drei Augenzeugen, die die Schilderung des Mannes bestätigten.
Demnach drangen am 13. März etwa 80 maskierte Siedler, bewaffnet mit Messern und Stöcken, in die Beduinengemeinde Humsah ein. Den Journalisten von Reuters sagte das Opfer, dass etwa 20 der Siedler ihn geschlagen, ausgezogen, seine Genitalien gefesselt und ihn nackt vor den Augen seiner kleinen Kinder herumgeschleift hätten. "Ich dachte, sie würden mich umbringen." Das israelische Militär und die Polizei gaben an, dass der Vorfall untersucht werde. Sieben Verdächtige seien wegen des Verdachts der Beteiligung festgenommen worden, auch seien Polizeibeamte und Militärangehörige nach Humsah entsandt worden.
Israelische Siedler wenden zunehmend Gewalt gegen Palästinenser an, um sie aus ihren Häusern im besetzten Westjordanland zu vertreiben. "Sexuelle Übergriffe scheinen jedoch eine neue Waffe im Einschüchterungsarsenal dieser Siedler zu sein, was auf eine beunruhigende neue Stufe der Gewalt hindeutet", schreibt der US-Sender.
Nach UN-Angaben sind innerhalb eines Jahres mehr als 36.000 Palästinenser im besetzten Westjordanland aus ihren Häusern und Wohnungen vertrieben worden. Ursache seien die Ausweitung jüdischer Siedlungen und die damit verbundene Gewalt, teilte das UN-Menschenrechtsbüro mit. Die Gewalt durch Siedler erfolge oft koordiniert und werde von israelischen Behörden teils ermöglicht. Das Ausmaß der Vertreibung lege eine gezielte Politik nahe, die einer "ethnischen Säuberung" gleichkommen könne, hieß es weiter.
Mitte März hatte auch ein Sprecher des deutschen Außenministeriums gesagt, dass die Attacken im Westjordanland gegen die palästinensische Bevölkerung in den vergangenen Wochen stark zugenommen hätten. Dass dabei zuletzt "fünf palästinensische Zivilisten in nur einer Woche getötet wurden", sei ein "trauriger Höhepunkt".