Politik

Mehr Angriffe auf PalästinenserSiedlergewalt im Westjordanland deutlich gestiegen

12.01.2026, 21:41 Uhr
00:00 / 02:58
Rechtsgerichtete-israelische-Siedler-werfen-Steine-auf-palaestinensische-Dorfbewohner-waehrend-eines-Angriffs-auf-das-Dorf-im-Westjordanland-Turmusaya
Die Siedlergewalt im Westjordanland nimmt nicht erst seit vergangenem Jahr zu. (Foto: picture alliance/dpa)

Im von Israel besetzten Westjordanland wird die Lage für Palästinenser immer gefährlicher. Die Gewalt durch radikale Siedler hat 2025 noch einmal zugenommen. Laut einem Bericht sind organisierte Gruppen für viele Angriffe verantwortlich.

Im vergangenen Jahr ist die Zahl von Angriffen radikaler israelischer Siedler auf Palästinenser im Westjordanland einem Bericht zufolge um 25 Prozent gestiegen. Das berichtet die Zeitung "Haaretz" unter Berufung auf Zahlen des israelischen Verteidigungsapparats.

Israels Armee teilte dazu auf Anfrage mit: "Im Laufe des letzten Jahres hat sowohl der Umfang als auch die Schwere der Gewalt durch Siedler zugenommen." Eigene Zahlen wollte das Militär nicht öffentlich machen.

Seit dem Terrorangriff der Hamas am 7. Oktober 2023 sei es zu mehr als 1700 Angriffen gekommen, meldete die "Haaretz". Allein im vergangenen Jahr wurden den Angaben zufolge bei 845 Zwischenfällen mehr als 200 Menschen verletzt und vier getötet. Im Jahr 2024 seien bei 675 Angriffen 149 Palästinenser verletzt und sechs getötet worden.

Der Anstieg sei nicht allein auf mehr Einzeltaten zurückzuführen, sondern auf größere, organisierte Gruppen, die Unterstützung von Politikern und bekannten rechtsextremen Aktivisten erhalten, heißt es in dem Bericht unter Berufung auf Armeeangaben. Dabei wurde auch auf die Ausbreitung sogenannter Farmen verwiesen, deren Gesamtzahl von etwa 30 vor dem Gaza-Krieg auf derzeit mehr als 120 gestiegen sei.

Vorwurf: Israel ignoriert Entwicklung

Laut der israelischen Organisation Betselem handelt es sich dabei um landwirtschaftliche Flächen im Westjordanland, über die Siedler demnach - anders als etwa bei Siedlungen - die Kontrolle ohne offizielle israelische Genehmigung übernehmen. Die "Haaretz" verwies darauf, dass die dort lebenden Menschen oftmals Angriffe auf Palästinenser anführten.

"Wer die Gründung von fast 100 neuen Farmen seit Kriegsbeginn ignoriert, sollte sich nicht über den Anstieg nationalistischer Auseinandersetzungen und Straftaten wundern", zitierte die Zeitung einen hochrangigen Verteidigungsbeamten.

Laut Daten der palästinensischen Gesundheitsbehörden sind seit Beginn des Gaza-Kriegs mehr als 1000 Palästinenser im Westjordanland von israelischen Soldaten oder Siedlern getötet worden. Im selben Zeitraum wurden nach Behördenangaben mindestens 44 Israelis getötet. Israel hält das Westjordanland seit 1967 völkerrechtswidrig besetzt.

Quelle: ntv.de, dsc/dpa/AFP

IsraelGewaltNahost-KonfliktWestjordanland