Entlastung für VerbraucherSo viel sparen Haushalte mit dem Stromsteuer-Plan

Die Union greift ein bislang unerfülltes Versprechen aus dem Koalitionsvertrag wieder auf. Eine Absenkung der Stromsteuer auf das EU-Mindestmaß würde Millionen Haushalte entlasten. Allerdings bleibt eine Frage offen.
Die CDU will die Stromsteuer für alle senken - für Privathaushalte könnte dies spürbare Einsparungen bedeuten. Gemessen am durchschnittlichen Strompreis zahle ein Drei-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4000 Kilowattstunden (kWh) derzeit rund 1375 Euro pro Jahr, erklärte das Vergleichsportal Verivox am Dienstag in Heidelberg. Bei Absenkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestmaß sei hier eine Entlastung um rund sieben Prozent oder 93 Euro möglich.
Bei einem durchschnittlichen Zwei-Personen-Haushalt mit einem Verbrauch von 2800 kWh pro Jahr ergibt sich demnach eine Entlastung von 65 Euro, bei einem Single-Haushalt (1500 kWh) sind es 35 Euro. Insgesamt verbrauchen die Privathaushalte in Deutschland laut Verivox jährlich etwas mehr als 130 Milliarden kWh Strom. Die Gesamtentlastung einer Stromsteuersenkung von derzeit 2,05 Cent je kWh auf das europäische Mindestmaß von 0,1 Cent je kWh beliefe sich für private Verbraucher demnach auf drei Milliarden Euro.
CDU-Chef Friedrich Merz hatte am Montag angekündigt, dass zur Entlastung der Bürgerinnen und Bürger die Stromsteuer "für alle" auf das europäische Minimum abgesenkt werden solle. Dafür genutzt werden sollten "finanzielle Spielräume im Haushalt", sagte der Kanzler. Diese könne es geben, "wenn sich das Wachstum verfestigt und verstetigt".
Union und SPD hatten bereits in ihrem Koalitionsvertrag vereinbart, die Stromsteuer "für alle so schnell wie möglich auf das europäische Mindestmaß" zu senken. Von der Regierung beschlossen wurde bislang aber nur eine Verringerung für das produzierende Gewerbe sowie die Land- und Forstwirtschaft.
Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) bezeichnete eine Senkung der Stromsteuer für alle am Dienstag als überfällig. "Wer die Elektrifizierung voranbringen will, muss Strom auch preislich attraktiver machen", erklärte BDEW-Chefin Kerstin Andreae. "Dies würde moderne, effiziente Anwendungen wie Elektroautos und Wärmepumpen wirtschaftlich attraktiver machen", fügte sie hinzu. "Das stärkt den Klimaschutz und verringert zugleich Deutschlands Abhängigkeit von fossilen Importen und von Preisschwankungen an den internationalen Rohstoffmärkten."
Auch der Verband Kommunaler Unternehmen (VKU) sprach sich am Dienstag für die Absenkung der Stromsteuer für alle aus. Die Koalition dürfe bezahlbare Energie allerdings nicht von einem erhofften Wirtschaftswachstum abhängig machen, kritisierte Hauptgeschäftsführer Ingbert Liebing. "Umgekehrt wird ein Schuh daraus: Bezahlbarer Strom ist eine Voraussetzung dafür, dass die Wirtschaft wieder wächst", erklärte er. Dabei wirke eine Senkung der Stromsteuer doppelt - sie reduziere die Energiekosten dauerhaft und schaffe zugleich Anreize "für den klimaneutralen Umbau unseres Landes".

