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Strafen erhöht So wenig Einbrüche wie seit 1997 nicht

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310 Millionen Euro zahlten die Versicherungen im vergangenen Jahr an Einbruchsopfer.

(Foto: imago/Jochen Tack)

Den Betroffenen nutzt die Statistik wenig - doch die Zahl der Einbrüche ist deutlich gesunken. Damit setzt sich ein Trend der vergangenen Jahre fort. Bremens Innensenator verweist auf die abschreckende Wirkung härterer Strafen. Der Bund der Kriminalbeamten aber warnt bereits vor dem Ende der Entwicklung.

Im vergangenen Jahr wurden der Polizei so wenige Wohnungseinbrüche gemeldet wie seit zwei Jahrzehnten nicht. Demnach wurden insgesamt 97.504 solcher Straftaten registriert, wie die "Welt am Sonntag" vorab unter Berufung auf die Polizeiliche Kriminalstatistik für 2018 berichtet. Damit sei die Zahl der Einbrüche binnen Jahresfrist um 16,3 Prozent im Vergleich zu 2017 gefallen. Zudem waren es erstmals seit 1997 wieder weniger als 100.000. Der Bericht soll Dienstag von Bundesinnenminister Horst Seehofer vorgestellt werden.

Den höchsten prozentualen Rückgang bei den Einbrüchen gab es demnach in den Ländern Bremen, Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Einen Anstieg hatten als einzige Länder das Saarland und Sachsen-Anhalt zu verzeichnen.

Haftstrafen schrecken ab

Für 1999 wies die Kriminalstatistik 149.044 Fälle von sogenanntem Wohnungseinbruchdiebstahl aus. In den Jahren 2008 bis 2015 waren die Fallzahlen kontinuierlich gestiegen - bis auf 167.136. Seit dem Jahr 2016 geht diese Zahl, die auch versuchte Einbrüche umfasst, wieder zurück.

Bremens Innensenator Ulrich Mäurer nennt als einen Grund für den Rückgang, dass der Einbruch in eine Privatwohnung seit Sommer 2017 zum "Verbrechenstatbestand" gehöre. Die Mindestfreiheitsstrafe wurde von sechs Monaten auf ein Jahr angehoben, die Höchststrafe beträgt nun zehn Jahre. "Damit hat der abschreckende Effekt zugenommen", sagte der SPD-Politiker der Zeitung. Außerdem investierten immer mehr Eigentümer in Sicherungstechnik.

Einbruch verursacht durchschnittlich fast 3000 Euro Schaden

Diese Entwicklung reduziert zudem den Gesamtschaden. Nach Angaben des Gesamtverbands der Deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) ging die Entschädigungsleistung im vergangenen Jahr um rund ein Siebtel auf 310 Millionen Euro zurück, wie die Zeitung berichtete. Dem GDV zufolge verursacht ein Einbruch im Schnitt einen Schaden von rund 2850 Euro.

Die Aufklärungsquote bei Wohnungseinbrüchen bleibt hingegen niedrig: Sie stieg von 17,8 Prozent auf zuletzt 18,1 Prozent. Der Vorsitzende des Bundes Deutscher Kriminalbeamter (BDK), Sebastian Fiedler, warnte vor einem Jo-Jo-Effekt. "Der Rückgang der Fallzahlen führt in vielen Bundesländern dazu, dass das Personal zur Bekämpfung des Wohnungseinbruches wieder reduziert wird", sagte er der Zeitung. Das berge die Gefahr, dass die Fallzahlen künftig wieder ansteigen könnten, weil der Verfolgungsdruck fehle.

Quelle: n-tv.de, jwu/AFP/dpa

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