Politik

Debatte um Kanzlerkandidatur Söder: "Mein Platz ist immer in Bayern"

Ständig werde über ihn geredet, sagt Bayerns Ministerpräsident Söder mit Blick auf Spekulationen um die Kanzlerkandidatur der Union. Er selbst führe die Debatte nicht. Kategorisch ausschließen mag er die Personalie aber auch nicht.

In der Debatte über die Kanzlerkandidatur der Union hat CSU-Chef Markus Söder abermals auf seine Rolle als bayerischer Ministerpräsident verwiesen. "Mein Platz ist immer in Bayern", sagte er vor einer Videokonferenz des Parteivorstands in München. "Ich führe die Debatte ja nicht, es wird ja ständig über mich geredet, und zwar von allen." Auf wiederholte Nachfragen, ob er eine eigene Kanzlerkandidatur kategorisch ausschließe, ging der CSU-Vorsitzende nicht direkt ein, sondern wiederholte nur, sein Platz sei in Bayern.

Söder widersprach zudem dem Eindruck, er habe mit seinem Interview am Wochenende eine Vorauswahl unter den zur Diskussion stehenden Bewerbern um den CDU-Vorsitz durchführen wollen. "Ich glaube, es ist nicht die Zeit, über Kandidaturen einzelner zu reden", sagte er. Sein Beitrag sei vielmehr als Lob für Kanzlerin Angela Merkel von der CDU zu verstehen, die sich in der Corona-Krise erneut bewiesen habe, "wie in so vielen Krisen zuvor". Oberste Aufgabe sei es jetzt, sich um das Wohl vieler zu kümmern und nicht um die Karrieren einzelner.

Söder hatte im "Tagesspiegel" deutlich gemacht, der künftige Unions-Kanzlerkandidat müsse sich in der Corona-Krise bewiesen haben. Wer dabei versage, habe "keinen moralischen Führungsanspruch", sagte er. "Nur wer Krisen meistert, wer die Pflicht kann, der kann auch bei der Kür glänzen."

AKK fordert Disziplin

Auch CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer warnte die Union davor, mit Personaldiskussionen über den künftigen Parteivorsitz oder die Kanzlerkandidatur die Sommerpause zu bestimmen. Die Vorsitzende habe an die Verantwortung der Beteiligten appelliert, hieß es aus Teilnehmerkreisen der letzten Videoschalte der engsten CDU-Spitze vor der Sommerpause.

Aus anderen Kreisen hieß es, Kramp-Karrenbauer habe Disziplin gefordert und deutlich gemacht, dass sie mit den drei Kandidaten für den Parteivorsitz nochmal über die Abläufe bis zur Wahl reden wolle. Direkt im Anschluss an die zweistündigen Beratungen des CDU-Präsidiums, der engsten Führungsspitze um Kramp-Karrenbauer, kam auch der größere Parteivorstand zu Video-Beratungen zusammen.

Neben NRW-Regierungschef Armin Laschet bewerben sich der Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz und der Außenpolitiker Norbert Röttgen um den CDU-Vorsitz. Laschet hat, anders als Söder, in der Corona-Krise einen Lockerungskurs gefahren und ist angesichts der Infektionsausbrüche in seinem Land teilweise in die Kritik geraten.

Söder betonte nun, alle CDU-Bewerber seien "Topkandidaten", ausdrücklich lobte er auch Laschets Krisenmanagement, welches "sehr stabil und stringent" sei. Mit Blick auf Bundesgesundheitsminister Jens Spahn ergänzte Söder: "Ich bin kein Karriereberater einzelner großer Persönlichkeiten in der CDU." Es sei bekannt, dass er Spahn schätze und eine hohe Meinung von ihm habe. "Er gehört sicher zu den großen Hoffnungsträgern, die die CDU hat. Aber die CDU hat viele Hoffnungsträger." Spahn kandidiert nicht selbst für den CDU-Vorsitz, sondern ist als Stellvertreter vorgesehen, sollte sich Laschet durchsetzen.

Quelle: ntv.de, mli/dpa