Politik

Altkanzler in Wehrmachtsuniform Soldat Schmidt darf Wand nicht mehr zieren

Bei der Suche nach Wehrmachtsdevotionalien landet auch ein Foto mit Altkanzler Helmut Schmidt auf der Entsorgungsliste der Bundeswehr. Aus dem Verkehr gezogen wird auch das Liederbuch der Truppe. Bekanntester Titel: "Schwarzbraun ist die Haselnuss."

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Dieses Foto wurde abgehängt - bei dem Exemplar in der Universität stand noch "Leutnant Helmut Schmidt - 1940" unter dem Foto.

(Foto: ASSOCIATED PRESS)

In der nach Helmut Schmidt benannten Bundeswehruniversität Hamburg ist ein Bild des Altkanzlers entfernt worden, weil es ihn in Wehrmachtsuniform zeigt. "Die Vorgesetzten haben die Studenten angewiesen, das Bild abzuhängen", sagte ein Sprecher der Helmut-Schmidt-Universität. Hintergrund ist der von Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen angeordnete neue Umgang der Bundeswehr mit ihrer Tradition. Das Bild hing im Flur eines Studentenwohnheims der Bundeswehruniversität.

Der Sprecher wies darauf hin, dass das Konterfei des 2015 gestorbenen Ehrenbürgers Hamburgs bereits seit Jahren in dem Flur hing. Es sei aufgehängt worden, lange bevor die heute studierenden Soldaten an der Universität angefangen hätten.

"Dieses Beispiel beweist, dass die Ministerin Maß und Mitte verloren hat und die Truppe tief verunsichert", sagte der SPD-Verteidigungsexperte Rainer Arnold der "Bild"-Zeitung. Einen Kanzler in Wehrmachtsuniform zu zeigen, der vielfach seine Zeit als Soldat kritisch und klug kommentiert habe, sei die beste Art, die Vergangenheit des Militärs unter Hitler aufzuarbeiten. "Unter dieses Bild ein Zitat von Helmut Schmidt - besser kann man nicht zeigen, wie junge Menschen in Hitlers Armee missbraucht worden sind und oft auch zu Tätern wurden", betonte Arnold.

Schmidt wurde im Jahr 1918 geboren. Im Zweiten Weltkrieg gehörte er von 1939 bis 1945 der Wehrmacht an. Dabei kämpfte er an der Ostfront in einer Panzerdivision, war als Referent für Ausbildungsvorschriften dem Oberkommando der Luftwaffe zugeteilt und zuletzt an der Westfront als Oberleutnant und Batteriechef eingesetzt. Von 1974 bis 1982 war er Bundeskanzler. Er starb 2015.

Auch das Bundeswehr-Liederbuch wird überarbeitet

Die Offiziere wurden laut einem Bericht des "Focus" per E-Mail angewiesen, alle "Symbole der NS-Zeit, Wehrmachtsdevotionalien (vom Bajonett bis zum Wehrmachtsstahlhelm), Wehrmachtsbilder, Wehrmachtsattribute, Sinnsprüche mit Vergleichen/Beschreibungen oder Zitaten aus der NS-Zeit, sämtliche Gegenstände (jede Art von Darstellung), welche mit einer Sympathie/Verehrung der Wehrmacht in Verbindung gebracht werden könnten", umgehend aus den Diensträumen zu entfernen.

Nach der Affäre um den rechtsextremen Soldaten Franco A. will von der Leyen die Truppe verändern. Dazu gehört auch die Überarbeitung des sogenannten Traditionserlasses von 1982. Dabei handelt es sich um ein umstrittenes Regelwerk, das seit mehr als 30 Jahren nicht mehr angetastet wurde. Es hält fest, wie die Bundeswehr mit ihren historischen Ursprüngen umgehen soll.

Wie das Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND) berichtet, soll auch das Bundeswehr-Liederbuch "Kameraden singt!" aus dem Verkehr gezogen werden. "Im Rahmen des kritischen und sensiblen Umgangs mit den Inhalten wurde erkannt, dass einige Textpassagen nicht mehr unserem Werteverständnis entsprechen", sagte ein Ministeriumssprecher dem RND.

Besonders in der Kritik stehen Stücke wie "Schwarzbraun ist die Haselnuss" und das "Panzerlied", die laut Ministerium in der Zeit des "Dritten Reiches" und des Zweiten Weltkriegs als Ausdruck nationalsozialistischer Überhöhung missbraucht wurden. Zudem enthält das Liederbuch Kompositionen und Texte von NS-Ideologen. Die Gaumusikreferenten Gottfried Wolters und August Kremser schrieben auch für die Hitler-Jugend. Laut Ministerium wurde das Streitkräfteamt beauftragt, eine völlig neue Form des Liederbuches zu entwickeln. Dazu zählten eine Liederliste und ein Online-Angebot.

Quelle: n-tv.de, nsc/dpa/AFP

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