Politik

"Mindestens zehn harte Wochen" Spahn erwartet längere Impfstoff-Knappheit

Bundesgesundheitsminister Spahn hat sich für einen von mehreren SPD-Politikern geforderten Impfgipfel offen gezeigt. Er schlägt ein gesondertes Treffen mit den Ministerpräsidenten der Länder vor. Parallel dazu bittet er in der brisanten Impfstoff-Debatte um Geduld.

Gesundheitsminister Jens Spahn bittet in der ausufernden Impfstoff-Debatte weiter um Geduld. "Denn wir gehen bei der Knappheit des Impfstoffes noch durch mindestens zehn harte Wochen", schreibt er auf Twitter in Anspielung auf die Lieferungen von Biontech/Pfizer, Moderna und Astrazeneca. Zudem zeigt er sich bereit, einen von der SPD geforderten Impfgipfel einzuberufen.

Unter anderem Carsten Schneider, der Geschäftsführer der Bundestagsfraktion, forderte ein solches Treffen. Er warf Spahn im ZDF vor, es bringe nichts, sich hinter Brüssel zu verstecken. Es werde ein Impfgipfel gebraucht. Er wies auch den Vorwurf zurück, dass das Vorgehen der SPD Wahlkampf sei. Es sei "normale politische Arbeit, weil wir sonst nicht schnell genug vorankommen".

Spahn schlägt derweil eine gesonderte Ministerpräsidentenkonferenz nur zum Thema vor. "Vertrauen in dieser Krise erhalten wir nur, wenn Bund und Länder an einem Strang ziehen", erklärte er. "Auf diesem Impfgipfel von Bund und Ländern sprechen wir über die Lage, die Ziele, das weitere Vorgehen, auch damit Europa seinen fairen Anteil erhält." Auch Vertreter der Pharmaindustrie sollten eingeladen werden. Sie sollen laut Spahn erklären, "wie komplex die Herstellung eines Impfstoffs ist". Und dass sich eine Produktion "nicht mal eben in vier Wochen" aufbauen lasse.

Spahn hofft auf schnelle Lösung mit Astrazeneca

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Im schwelenden Impfstoffstreit mit dem Pharmakonzern Astrazeneca rief Spahn die EU-Kommission zu weiteren Verhandlungen auf. Eine womöglich lange juristische Auseinandersetzung über die Offenlegung von Lieferverträgen helfe in der derzeitigen Lage nicht weiter, sagte der Minister. Dies sei "das Letzte, was wir brauchen". Stattdessen müsse es um eine faire Verteilung der Impfpräparate gehen - "gerade wenn es wie derzeit Lieferprobleme gibt".

Spahn betonte, er setze auf ein einvernehmliches Ergebnis. "Das ist sicher der bessere Weg", sagte er. Die Menschen erwarteten Lösungen von der Politik. Ein Krisengespräch zwischen der EU und Astrazeneca war am Mittwochabend ohne Ergebnis geblieben. Beide Seiten bezeichneten die Beratungen als "konstruktiv". Doch beklagte EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides, dass es weiterhin einen "Mangel an Klarheit" über den Zeitplan gebe.

Quelle: ntv.de