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Südtirol kritisiert Einstufung Spahn warnt vor Reisen in Risikogebiete

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Gesundheitsminister Spahn warnt auch vor Reisen in besonders betroffene Regionen in Nordrhein-Westfalen.

(Foto: AP)

Um eine Ansteckung mit dem neuartigen Coronavirus zu vermeiden, rät Gesundheitsminister Spahn von Reisen in besonders betroffene Regionen im Aus- und Inland ab. Auch Südtirol nennt er als Risikogebiet - was vom italienischen Zivilschutz jedoch zurückgewiesen wird.

Gesundheitsminister Jens Spahn hat die Bürger aufgerufen, Corona-Risikogebiete zu meiden. Auf nicht notwendige Reisen in besonders betroffene Regionen in Italien, aber auch in Nordrhein-Westfalen sollte man verzichten, sagte der CDU-Politiker am Rande der Treffen der EU-Gesundheitsminister in Brüssel. Die Grenzen in der Europäischen Union sollten aber offen bleiben. Spahn appellierte auch an die Bürger, sich nicht mit Masken oder Schutzkleidung einzudecken, sondern diese für Ärzte und Pflegekräfte zu lassen.

Bundesbürger sollen nun auch von nicht erforderlichen Reisen nach Südtirol absehen. Das Auswärtige Amt erweiterte entsprechende Reisehinweise für Italien, wie ein Sprecher bestätigte. Abgeraten wird nun von nicht nötigen Reisen in die Provinz Südtirol und die Regionen Lombardei und Emilia-Romagna sowie in die Stadt Vo in der Provinz Padua. Das Robert Koch-Institut (RKI) stufte bislang zudem Regionen in China, Südkorea und dem Iran als Risikogebiete ein.

Südtirol reagierte mit Unverständnis auf die Einstufung als Coronavirus-Risikogebiet. Dort gibt es nach Angaben des Zivilschutzes nur vier Infizierte. Eine Sprecherin des Landeshauptmanns Arno Kompatscher betonte, dass Südtirol selbst in Italien nicht als Risikogebiet gelte. Die Wintersportregion ist vor allem bei deutschen Urlaubern beliebt. Die neue Einstufung bedeutet eine Katastrophe für den Tourismus. Unterdessen hat auch der Vatikan einen ersten Coronavirus-Fall vermeldet.

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EU-Kommissarin: Fallzahl werden steigen

EU-Gesundheitskommissarin Stella Kyriakides sagte, in den kommenden Wochen sei in den EU-Staaten mit einem raschen Anstieg der Fallzahlen zu rechnen. Dies werde zum Test für die Gesundheitssysteme in der EU. Sie appellierte an die Bürger, Hygienemaßnahmen einzuhalten, und dankte dem medizinischen Personal.

Spahn geriet in der EU erheblich unter Druck, weil er am Mittwoch deutsche Exportbeschränkungen für Schutzkleidung bekannt gegeben hatte. EU-Krisenkommissar Janez Lenarcic sagte, Exportbeschränkungen seien zwar im Binnenmarkt in Ausnahmefällen möglich. Es wäre aber uneuropäisch, den eigenen Markt zu schließen. In der EU sei Solidarität gefordert. Spahn konterte, bisher klappe die Verteilung nicht: Die Schutzkleidung komme nur dahin, wo die höchsten Preise gezahlt würden. Exporte aus Deutschland seien nicht verboten, müssten aber einzeln genehmigt werden.

Er habe die EU-Kommission aufgefordert, ein Exportverbot für Drittstaaten in Kraft zu setzen, sagte Spahn. "Wir können nationale Maßnahmen herunterfahren, wenn es eine Maßnahme der Europäischen Union gibt."

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Mehr als 5000 Infizierte in der EU

Bis Freitagmorgen hatte die EU-Behörde ECDC für die EU, Island, Liechtenstein, Norwegen und Großbritannien 5544 Infektionen mit dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 und 159 Todesfälle registriert. In Deutschland sind es zuletzt 675 gemeldete Fälle. Hierzulande wurde noch kein Todesfall dem Virus zugeschrieben. Viele Patienten sind inzwischen wieder gesund.

Die Mehrheit der Deutschen hält laut einer aktuellen Umfrage die Maßnahmen gegen die Ausbreitung des Coronavirus für ausreichend. 69 Prozent der Befragten sind der Meinung, hierzulande werde genug getan, wie aus dem ZDF-Politbarometer hervorgeht. Im Februar waren es demnach noch 80 Prozent. 26 Prozent halten die Vorkehrungen hingegen für zu gering. 39 Prozent der Befragten erklärten zudem, dass sie wegen des Coronavirus Veranstaltungen mit größeren Menschenmengen meiden. 50 Prozent ändern ihr Verhalten hingegen nicht.

Quelle: ntv.de, kst/dpa