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Montag, 10. September 2018

Demonstration nach Tod in Köthen: Stadtchef erbost über "rechte Touristen"

Nach einem Streit mit Asylbewerbern stirbt ein 22-jähriger Deutscher an akutem Herzversagen. In Köthen kommt es daraufhin zu einem "Trauermarsch", an dem auch Rechte teilnehmen. Der Bürgermeister der Kleinstadt ist entsetzt über die von diesen verbreitete Hetze.

Der Köthener Oberbürgermeister Bernd Hauschild hat sich nach dem tödlichen Streit zwischen zwei Männergruppen über Gewaltaufrufe bei den anschließenden Protesten erschrocken gezeigt. Er rief deshalb abermals zur Besonnenheit auf. Es sei schwer, wenn die Gewalt von außen nach Köthen komme, sagte der Sozialdemokrat im ZDF.

"Es wurde gehetzt": Köthens Oberbürgermeister Bernd Hauschild ist erschrocken über Gewaltaufrufe in seiner Stadt.
"Es wurde gehetzt": Köthens Oberbürgermeister Bernd Hauschild ist erschrocken über Gewaltaufrufe in seiner Stadt.(Foto: picture alliance/dpa)

Mit Blick auf die letztlich weitgehend friedlich verlaufenen Proteste vom Vorabend fügte Hauschild hinzu: "Leider waren eben doch viele Rechte da gewesen, die versucht haben, sich Gehör zu verschaffen vor den Köthenern." Die Stimmung sei durch zugereiste Rechte angeheizt worden. "Es wurden in sozialen Medien Aufrufe gestartet, in geschlossenen rechten Gruppen, und das waren halt die, die in Köthen präsent gewesen sind. Man sagte mir, zum Teil sogar Leute, die vorher in Chemnitz präsent gewesen sind. Das sind halt rechte reisende Touristen." Er sei erschrocken über die Reden.

Es habe bei der Demonstration zwar keine Gewalt gegeben, "aber es wurde gehetzt", sagte der Bürgermeister. Warum die Polizei dagegen nicht eingeschritten sei, könne er nicht sagen. Vor dem sogenannten Trauermarsch, für den in der rechten Szene mobilisiert worden war, hatte der Bürgermeister am Sonntag auf Facebook ausdrücklich von einer Teilnahme abgeraten. Ihm würden Informationen vorliegen, dass auch gewaltbereite Gruppen von außerhalb Köthens teilnehmen wollten. Zu der Kundgebung kamen 2500 Menschen.

Hintergrund der Proteste war ein Streit zwischen zwei Männergruppen, der mit dem Tod eines 22 Jahre alten Deutschen endete. Ein Richter erließ am Sonntagabend Haftbefehl gegen zwei Afghanen wegen des Verdachts der Körperverletzung mit Todesfolge. Nach Angaben der Polizei erlag das Opfer einem akuten Herzversagen; ein Zusammenhang zu erlittenen Verletzungen besteht nach Polizeiangaben nicht.

Seehofer will noch nichts bewerten

Bundesinnenminister Horst Seehofer warnte in diesem Zusammenhang vor übereilten Bewertungen. "Es scheint so zu sein, dass die Todesursache nach der Obduktion feststeht, aber dass der Tathergang - für mich jedenfalls - noch nicht ausreichend geklärt ist", sagte der CSU-Vorsitzende vor einer Parteivorstandssitzung in München. "Die näheren Tatumstände, was war die Ursache und wie hat sich das entwickelt, da wäre ich jetzt vorsichtig in der Bewertung", sagte er und betonte: "Und ich empfehle uns, wie in Chemnitz, dass wir Politiker auf die authentischen Ermittlungsergebnisse warten, bevor wir sie bewerten."

Der Vorfall mache ihn schon betroffen, sagte Seehofer. "Wir müssen alles tun, dass wir die Dinge, die wir in diesen Tagen erleben, in unserem Rechtsstaat auch überwinden", betonte der Innenminister. "Es sind schlimme antisemitische Vorfälle, es ist Rechtsradikalität. Aber es sind auch Gewaltverbrechen, die von Zuwanderern durchgeführt werden. Wir müssen alle Herausforderungen annehmen und nicht das eine gegen das andere ausspielen."

Bürgermeister Hauschild sagte über den Protest am Sonntag, er sei froh, dass die anheizenden Redner keine Köthener gewesen seien. Er selbst hatte gemeinsam mit Bürgern an einem Gedenkgottesdienst teilgenommen. Grundsätzlich sei das Zusammenleben von Asylbewerbern und Köthenern gut, sagte der SPD-Politiker. Streit gebe es überall. Aber vor allem die dezentrale Unterbringung der Geflüchteten - also nicht in Massenunterkünften - trage dazu bei, dass Integration in Köthen besser möglich sei.

Quelle: n-tv.de