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Ausschreitungen in Chemnitz Starb Daniel H. wegen eines Drogenstreits?

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Blumen und Kerzen stehen an der Stelle in Chemnitz, an der Daniel H. erstochen wurde (Archivbild).

(Foto: picture alliance/dpa)

Der Tod von Daniel H. in Chemnitz löste zahlreiche Proteste in der Stadt aus, auch von Rechtsextremen. Die Aufklärung des Falls ist jedoch äußerst schwierig. Laut Medienberichten könnte ein Streit um Kokain die Tat ausgelöst haben.

Der gewaltsame Tod von Daniel H. im vergangenen Jahr in Chemnitz erregte bundesweit Aufsehen. In den folgenden Tagen und Wochen zogen viele Demonstranten durch die Stadt, darunter auch Rechtsextreme. Nun gibt es laut einem Medienbericht neue Indizien in dem Fall. Bei dem Streit, in dessen Verlauf der 35-Jährige ums Leben kam, könnte es um Kokain gegangen sein, berichten NDR, WDR, MDR und "Süddeutsche Zeitung" unter Verweis auf die Anklageschrift.

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Zahlreiche, teils auch rechtsextreme Gruppen riefen nach dem Tod von H. zu Protesten in Chemnitz auf.

(Foto: picture alliance/dpa)

Die Ermittler haben demnach seit dem Vorfall Ende August 2018 mehr als 100 Zeugen vernommen. Zum Tathergang gab es laut SZ aber nur wenige genaue Angaben. Gegen einen der Tatverdächtigen, den syrischen Flüchtling Alaa S., erhob die Staatsanwaltschaft im Dezember Anklage. Der zweite, der Iraker Farhad A., ist auf der Flucht. Er soll sich ins Ausland abgesetzt haben.

Nach Aussagen von Zeugen soll Farhad A. an dem Abend unter Drogeneinfluss gestanden haben. Auch bei Daniel H., einem Deutsch-Kubaner, wurden geringe Spuren von Kokain nachgewiesen. Unklar ist aber, ob sie sich bereits vorher kannten. Gegen drei Uhr nachts soll der Iraker Daniel H. angesprochen und nach einer "Karte" gefragt haben. Er fasste sich demnach dabei an die Nase und atmete hörbar ein, spielte also auf das Schnupfen von Kokain an.

Erst Handgreiflichkeiten, dann Messerstiche

Danach soll Farhad A. das spätere Opfer umarmt und etwas mit ihm besprochen haben. Daniel H. soll ihm jedoch gesagt haben, er solle verschwinden, worauf A. ihn ohrfeigte. Nach den folgenden Handgreiflichkeiten fiel A. zu Boden. Daraufhin kam ihm Alaa S. zu Hilfe. Beide sollen dann auf H. eingestochen haben.

Unklar ist aber, wie viele Tatwaffen es gab. Gefunden wurde ein Messer mit DNA-Spuren von Daniel H., aber ohne Spuren von Alaa S.. Laut Gerichtsmedizin könnten die Verletzungen des Erstochenen auch nur von einem Messer stammen. Alaa S. bestreitet, H. erstochen zu haben. Die Anschuldigungen stützen sich laut den Medien vor allem auf die Aussagen eines Zeugen, der die Tat aus etwa 50 Metern Entfernung gesehen haben soll. Dieser Zeuge wurde nach eigener Aussage von verschiedenen Seiten bedroht, unter anderem von Bekannten des Angeklagten Alaa S..

Die Anklageschrift gegen S. liegt derzeit beim Amtsgericht Chemnitz, das in Kürze entscheiden will, ob es die Anklage zulässt. Das Verfahren könnte dann Mitte März beginnen. Eine Anwältin von S., Ricarda Lang, hat laut SZ die Verlegung des Verfahrens in ein anders Bundesland beantragt. Sie hält die öffentliche Sicherheit für gefährdet, sollte der Prozess in Sachsen, Thüringen oder Brandenburg stattfinden. Ein Ermittlungsverfahren gegen einen dritten Verdächtigen, Yousif A., wurde inzwischen eingestellt. Dieser soll einen Tag nach der Tat der Polizei gesagt haben, dass Farhad R. ihm gegenüber eingeräumt habe, mit einem Messer zugestochen zu haben.

Der Tod H.s hatte in Chemnitz im vergangenen Jahr zu Protesten geführt, an denen zahlreiche Rechtsextreme teilnahmen. Am Rande der Proteste wurden Ausländer beleidigt. Auch ein jüdisches Restaurant in der Stadt wurde attackiert. Die Bewertung der Proteste löste auch politischen Streit aus, in dessen Folge der Chef des Bundesverfassungsschutzes, Hans-Georg Maaßen, entlassen wurde.

Quelle: n-tv.de, mli

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