"Ergebnisse sind wirklich hart"Starmer will trotz Wahldebakel "nicht davonlaufen"

Die Kommunal- und Regionalwahlen liefern für Labour eine herbe Pleite. Die Rechtspopulisten rund um Nigel Farage triumphieren. Regierungschef Starmer will trotz des verheerenden Resultats im Amt bleiben.
Der britische Premierminister Keir Starmer will trotz eines sich abzeichnenden Wahldebakels bei den britischen Kommunal- und Regionalwahlen nicht zurücktreten. "Ich werde nicht davonlaufen und das Land ins Chaos stürzen", sagte der Labour-Politiker in einem Interview mit dem Nachrichtensender Sky News nach Auszählung erster Ergebnisse der Kommunalwahl in England.
"Die Ergebnisse sind wirklich hart, ich will das nicht beschönigen", sagte der Premier. Er sei aber im Juli 2024 für eine fünfjährige Amtszeit gewählt worden und habe die Absicht, das durchzuziehen. Er wolle seine Partei auch in die nächste Parlamentswahl führen.
Nach Auszählungen in 73 von 136 Bezirken der Kommunalwahl in England zeichnete sich ein deutlicher Erfolg für die Rechtspopulisten von Reform UK ab. Die Partei von Brexit-Vorkämpfer Nigel Farage errang aus dem Stand beinahe 640 Mandate, während Labour knapp 459 verlor. Insgesamt werden gut 5000 Sitze in Kommunal- und Regionalräten neu vergeben.
Reform-Chef Farage sprach von einem "historischen Wandel in der britischen Politik". Angesichts starker Zugewinne seiner Partei in früheren Labour-Hochburgen sei die traditionelle Unterscheidung zwischen rechts und links obsolet, sagte Farage laut der Nachrichtenagentur PA. Auch die oppositionellen Konservativen mussten 281 Sitze in kommunalen Gremien abgeben.
Walisische Labour-Chefin tritt zurück
In Wales endet Labours jahrzehntelange Dominanz nach vorläufigen Ergebnissen der Regionalwahl bitter: Die Partei landete bei der Wahl zum walisischen Regionalparlament nur auf Platz drei. Das Ergebnis gilt als historisch: Damit endet die 27-jährige Regierungszeit und die mehr als 100 Jahre andauernde Serie von Wahlsiegen der Labour-Partei im Westen Großbritanniens.
Eluned Morgan, Chefin der walisischen Labour-Partei und scheidende Regierungschefin des britischen Landesteils, verlor ihren Sitz im Senedd und kündigte ihren Rücktritt als Parteivorsitzende an. Die Ergebnisse zeigten, "dass die Labour-Regierung national einen Kurswechsel braucht", sagte Morgan laut der Nachrichtenagentur PA.
Stärkste Kraft wurde die Unabhängigkeitspartei Plaid Cymru, gefolgt von den Rechtspopulisten von Reform UK auf dem zweiten Platz. Erstmals dürften damit alle selbstverwalteten britischen Landesteile (Schottland, Wales und Nordirland) von Unabhängigkeitsparteien angeführt werden. Ein Auseinanderbrechen des Vereinigten Königreichs bedeutet das zwar noch lange nicht. Die Kräfte, die darauf hinarbeiten, sind jedoch gestärkt.
In Schottland zeichnet sich ein ähnlich schlechtes Bild für Labour ab. Dort gewinnt die Unabhängigkeitspartei SNP ersten Ergebnissen nach deutlich.