Politik

Attacke in der Corona-Krise Starmer wirft Johnson Fehler vor

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Großbritannien will seine Testzahl jetzt deutlich erhöhen.

(Foto: dpa)

Er ist erst einen Tag neuer Labour-Chef, aber Keir Starmer verliert keine Zeit, Oppositionspolitik zu machen. Starmer greift Premierminister Johnson scharf an. Der habe in der Corona-Krise viel zu langsam agiert.

Einen Tag nach seiner Wahl hat der neue Chef der britischen Labour-Partei, Keir Starmer, den Druck auf Premierminister Boris Johnson in der Coronavirus-Pandemie erhöht. "Es sind schwere Fehler gemacht worden", schrieb Starmer in einem Gastbeitrag in der "Sunday Times". Zu spät habe die konservative Regierung eingestanden, dass Großbritannien bei der Zahl der Tests hinter anderen Ländern hinterherhinke, so der neue Oppositionschef.

Nun müsse das Versprechen, täglich 100.000 Tests durchzuführen, rasch eingelöst werden. Vor allem Krankenhausmitarbeiter müssten getestet und mit der notwendigen Schutzkleidung ausgerüstet werden, forderte Starmer.

Eine Umfrage des Royal College of Physicians, die am Sonntag veröffentlicht wurde, ergab, dass derzeit rund 20 Prozent des medizinischen Personals in Großbritannien der Arbeit fernbleibt. Als Grund dafür nannten die meisten, eine vermutete, aber nicht bestätigte Covid-19-Erkrankung bei sich selbst oder bei Angehörigen. Knapp ein Viertel der Befragten gab zudem an, keinen ausreichenden Zugang zu Schutzkleidung zu haben.

Bis zu 20.000 Tote

Starmer forderte auch Klarheit über die Pläne der Regierung für eine schrittweise Aufhebung der Einschränkungen in dem Land. Bereits jetzt müsse zudem an der Infrastruktur gearbeitet werden, um die Bevölkerung mit einem Impfstoff zu immunisieren, sobald dieser verfügbar sei. Der 57 Jahre alte Politiker machte aber auch deutlich, dass er die Krise nicht dafür nutzen will, um politisch zu punkten. "Ich will, dass die Regierung erfolgreich ist, um Leben zu retten und den Lebensunterhalt (der Bürger; Anm. d. Red.) zu sichern. Das ist eine nationale Anstrengung und wir sollten uns alle fragen, was wir zusätzlich beitragen können", schrieb Starmer. Man arbeite mit der Regierung zusammen und werde sie unterstützen, falls eine Verschärfung der Maßnahmen beschlossen werde.

*Datenschutz

Gesundheitsminister Matt Hancock kündigte in der BBC bereits an, Großbritannien werde seine Kontakt- und Ausgangssperren notfalls verschärfen. Die große Mehrheit der Bevölkerung halte sich derzeit an die Vorgaben. "Aber wir sollten nicht gegen die Regeln verstoßen, denn das würde bedeuten, dass sich das Virus weiter ausbreitet und wir dann möglicherweise weitere Maßnahmen ergreifen müssen." Der Epidemiologe Neil Ferguson, der eine Professur am Imperial College in London innehat, sagte, in Großbritannien könnte die Totenzahl auf 7000 bis etwas über 20.000 ansteigen. Ferguson ist auch Regierungsberater.

Quelle: ntv.de, sba/dpa