US-Drohungen gegen EuropaStegner lehnt Boykott der Fußball-WM ab
Europas Regierungen versuchen, den US-Präsidenten im Grönland-Streit zu beschwichtigen. Der SPD-Außenexperte Stegner fordert mehr Stärke gegenüber Trump. Einen Boykott der Fußball-WM lehnt er aber ab.
Im Streit um Grönland fordert der SPD-Außenpolitiker Ralf Stegner mehr Stärke der europäischen Länder gegenüber US-Präsident Donald Trump. "Es muss darum gehen, dass die Europäer gemeinsam handeln und dass man mit Trump eine Einigung findet, ohne dass man Verbeugungen macht", sagte Stegner im Frühstart von ntv. Die Anbiederung an Trump habe zuletzt groteske Formen angenommen, etwa durch Nato-Chef Mark Rutte. Der SPD-Politiker kritisierte in diesem Zusammenhang auch Bundeskanzler Friedrich Merz für seine vorsichtige Wortwahl nach Trumps Angriff auf Venezuela.
Stegner schloss einen Angriff der USA auf Grönland nicht aus. "Das kann man nun wirklich nicht hoffen, dass es innerhalb der Nato zu einem militärischen Angriff kommt, aber die Lage ist schwierig genug." Man habe sich nicht vorstellen können, dass ein US-Präsident ein anderes Land im Verteidigungsbündnis in dieser Weise bedrohe. "Jedenfalls ist es nötig, dass die europäischen Staaten, dass der Rest der Nato Geschlossenheit zeigt." Das sei die Mindestvoraussetzung, um zu einer Einigung zu kommen. "Wichtig ist, dass wir uns weder erpressen lassen noch auf Drohungen reagieren." Tue man das einmal, komme man in eine Abwärtsspirale.
Der SPD-Politiker sprach sich gegen einen Boykott der Fußball-WM aus, die im Sommer 2026 unter anderem in den USA stattfindet. Damit bestrafe man die Sportler und Fans. "Das sind keine besonders hilfreichen Maßnahmen." Trump lasse sich im Übrigen davon nicht beeinflussen.
Zu einem möglichen Einsatz der Bundeswehr zur Sicherung Grönlands gegen Gefahren aus Russland und China äußerte sich Stegner zurückhaltend, schloss ihn aber nicht aus. "Dass wir da mehr Sicherheit brauchen und dass es notwendig ist, bestreitet ja niemand." Es komme aber auf die Mission an und wie sie ausgestaltet sei. "Man kann nicht einfach leichtfertig Soldaten irgendwo hinschicken." Einen Einsatz müsse gegebenenfalls der Bundestag beschließen.
