Politik

"Zweites Leid in Nachkriegszeit" Steinmeier bittet Sinti und Roma um Verzeihung

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier spricht beim Festakt zu 450 Jahre Herzog August Bibliothek.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier möchte sich im Namen Deutschlands bei den Sinti und Roma entschuldigen.

(Foto: Julian Stratenschulte/dpa)

Zum 40. Gründungsjubiläum des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma bittet Bundespräsident Steinmeier Europas größte Minderheit um Entschuldigung wegen rassistisch motivierter Ressentiments auch nach dem Zweiten Weltkrieg. Auch Ansprüche auf Entschädigung seien zu lange nicht anerkannt worden.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat sich bei Sinti und Roma in Deutschland für den Umgang mit ihnen entschuldigt. Rassistisch motivierte Ressentiments seien nach der Befreiung vom Nationalsozialismus nicht einfach verschwunden, sagte Steinmeier laut einem vorab veröffentlichtem Redemanuskript in einer Videobotschaft zum 40. Gründungsjubiläum des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma mit Sitz in Heidelberg.

Auch in der jungen Bundesrepublik hätten die Menschen Ausgrenzung und Herabwürdigung erlebt, führte der Bundespräsident aus. Behörden, Polizei und Justiz hätten sie diskriminiert, stigmatisiert oder kriminalisiert. Der Völkermord an ihnen sei verschwiegen, verleugnet oder verdrängt worden. Ansprüche auf Entschädigung seien viel zu lange nicht anerkannt worden. "Auch für dieses zweite Leid, das den Sinti und Roma in der Nachkriegszeit angetan wurde, will ich heute im Namen unseres Landes um Vergebung bitten", sagte Steinmeier.

500.000 ermordete Sinti und Roma

Sinti und Roma sind vor etwa 900 Jahren aus Indien ausgewandert. Roma leben hauptsächlich in Süd- und Osteuropa. Sinti sind vorwiegend in West- und Mitteleuropa zu finden. Europa zählt zwischen acht und zehn Millionen Sinti und Roma - sie bilden damit die größte Minderheit.

Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma wurde 1982 gegründet und ist nach eigenen Angaben der unabhängige Dachverband von 19 Landes- und Mitgliedsverbänden. Er setzt sich für eine gleichberechtigte Teilhabe der Sinti und Roma in Politik und Gesellschaft sowie für den Schutz und die Förderung als nationale Minderheit ein. Also solche sind Sinti und Roma seit 1995 neben Sorben, Dänen und Friesen anerkannt.

Unter Verweis auf die rund 500.000 Sinti und Roma, die von den Nazis ermordet wurden, hatte Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats, im vergangenen Dezember weitere Untersuchungen durch unabhängige Historiker über die NS-Zeit und Entschädigungen für das erlittene Unrecht gefordert.

Quelle: ntv.de, dbe/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen