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"Nicht ganz ausbuchstabiert" Steinmeier wirft Trump Realitätsverlust vor

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(Foto: REUTERS)

Die außenpolitische Linie von Donald Trump schlägt international hohe Wellen: Während Bundesaußenminister Steinmeier seine Kritik diplomatisch verpackt, wird der saudische Prinz Alwaleed Bin Talal deutlich: "Trump, Sie sind eine Schande!"

"America first" - Amerika zuerst: So lautet das außenpolitische Motto des republikanischen US-Präsidentschaftsbewerbers Donald Trump. Doch während seine Anhänger die nationalistische Linie des Immobilienmilliardärs bejubeln, reagiert die Bundesregierung mit reichlich Skepsis. "Das scheint mir noch nicht ganz ausbuchstabiert zu sein", sagte Außenminister Frank-Walter Steinmeier." Nach Trumps außenpolitischer Grundsatzrede könne er "nur hoffen, dass der Wahlkampf in den USA nicht an der Wahrnehmung der Realitäten vorbei geht".

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Trump hatte angekündigt, er werde als Präsident die Interessen der Amerikaner und die Sicherheit der USA über alles andere stellen. Auch der künftige US-Präsident müsse akzeptieren, dass sich die globale Sicherheitsarchitektur verändert habe, setzte Steinmeier entgegen. "Sie ruht naturgemäß nicht mehr auf zwei Säulen. Sie kann auch nicht unilateral ausgestaltet sein Insofern ist 'America First' eigentlich keine Antwort darauf."

Steinmeier kritisierte zudem, dass Trumps Äußerungen "nicht ganz frei von Widersprüchen" seien, wenn er ankündige, Amerika wieder stark machen zu wollen und zugleich Amerikas Rückzug betone. "Beides scheint mir noch nicht so recht zusammenzupassen", so der SPD-Politiker. Internationale Konflikte seien heute nur noch lösbar, wenn sich die Großen - wie die USA und Russland - mit anderen Staaten zusammentäten.

"Reagan dürfte sich im Grab umdrehen"

Auch aus den eigenen Reihen musste Trump nach seiner Rede Kritik einstecken. "Erbärmlich", twitterte der republikanische Senator Lindsey Graham, der zuvor aus dem Präsidentschaftswahlkampf ausgeschieden war. "Ronald Reagan dürfte sich im Grab umdrehen." Trump demonstriere mit seiner Rede lediglich, dass er die "Bedrohungen, denen wir uns gegenübersehen, nicht verstanden hat." Und als Bedrohung empfindet Trump offenbar vor allem die Saudis. Diese hätten - ebenso wie die Kubaner - keinen Respekt vor den USA.

Schon im vergangenen Dezember hatte er dem saudischen Prinzen Alwaleed Bin Talal "Blödheit" unterstellt und ihm vorgeworfen, er "wolle sich mit Papas Geld die Kontrolle über US-Politiker erkaufen". Bin Talal reagierte damals wie heute reichlich verschnupft: "Sie sind eine Schande - nicht nur für die Regierung, sondern für alle Amerikaner", twitterte er. "Nehmen Sie ihre Kandidatur zurück. Sie werden ohnehin nicht gewinnen." Übrigens: Mit einem Vermögen von geschätzten 25,7 Milliarden US-Dollar ist der saudische Investor deutlich reicher als Trump.

Trotz aller Kritik ist dem Republikaner nach seinem jüngsten Sieg bei den Vorwahlen an der US-Ostküste die Präsidentschaftskandidatur kaum mehr zu nehmen. Seine Chance, bis zum Nominierungsparteitag im Juli die absolute Mehrheit von 1237 Delegierten hinter sich zu versammeln, hat sich dadurch signifikant erhöht. Bei den Demokraten hat die ehemalige Außenministerin Hillary Clinton beste Aussichten.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa/rts

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