Politik

"Hart aber fair" Stirbt erst der Wald und dann die Welt?

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Die Gäste bei "Hart aber fair": Franz Prinz zu Salm-Salm, Joachim Rukwied, Julia Klöckner, Sven Plöger, Franz Alt (v.l.).

(Foto: WDR/Max Kohr)

Wer über den Klimawandel diskutiert, kommt kaum noch ohne apokalyptische Bilder aus. Aber immer nur Weltuntergang, das ist ja auch ganz schön anstrengend. Also sind Waldbrandepidemien und anhaltende Dürre eben einfach nur Wetter. Oder etwa doch nicht?

In Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg brannten wochenlang mehr als 1000 Hektar Wald, der Borkenkäfer frisst sich deutschlandweit durch die Fichtenbestände - und der Eichenprozessionsspinner vermehrt sich rasant und verbreitet wegen seiner giftigen Raupenhaare Angst und Schrecken. Mitschuld an all diesen Plagen ist die extreme Trockenheit, die 2018 zu einer Dürre führte und auch in diesem Jahr schon unangenehm auf sich aufmerksam machte. "Dürre Felder, brennende Wälder: Ist das noch Wetter oder schon unsere Zukunft?", lautet das dazu passende Thema von "Hart aber fair" am Montagabend.

"Das ist unsere Zukunft. Punkt", lautet die ebenso knappe wie ernüchternde Antwort von ARD-Meteorologe Sven Plöger, der an diesem Abend einer der Gäste von Moderator Frank Plasberg ist. Die vier anderen am Tisch sind der Journalist Franz Alt, die Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner, der Vorsitzende des Waldbesitzerverbandes Sachsen-Anhalt Franz Prinz zu Salm-Salm und der Präsident des Deutschen Bauernverbandes Joachim Rukwied.

Aber erstmal zurück zu Sven Plöger: "Man kann die einzelnen Wetterereignisse mittlerweile gut dem Klima zuordnen: Eine Hitzewelle wie 2018 ist drei- bis fünfmal wahrscheinlicher als noch vor 30 Jahren", sagt der TV-Wetterfrosch. Und: "Genau das, was die Forscher vor 30 Jahren prognostiziert haben, tritt jetzt ein. Dadurch wird der Klimawandel auch für uns haptisch."

Bäume für 600 Millionen Euro

Wir spüren ganz einfach, dass sich etwas ändert am Klima - und immer öfter sehen wir es auch: 2300 Hektar Wald verbrannten 2018, so viel wie seit 26 Jahren nicht mehr. Die Bilanz 2019 dürfte ähnlich ausfallen, weil die vielen Monokulturen viel schlechter mit der Trockenheit umgehen können als ein gesunder Mischwald. Das weiß man zwar nicht erst seit gestern: "Wir sind seit 30 Jahren dabei, die Monokulturen umzubauen", sagt Franz Prinz zu Salm-Salm. Aber "das Problem ist, dass uns die Gesellschaft dabei im Stich lässt." Der oberste sachsen-anhaltinische Waldbesitzer, der seinen Namen Lügen straft und ein erfrischend bodenständiger und grundsympathischer Typ ist, erklärt, dass der BGH bereits 1987 der Bundesregierung die Auflage erteilt hat, einen Extremwetterfonds aufzulegen. Passiert ist nie etwas, auch weil sich die Bevölkerung nach der vermeintlichen Rettung der Wälder Ende der 80er schlicht und ergreifend nicht mehr genug für den Wald interessierte.

"Es ist kaum über das Waldsterben gesprochen worden, und das wird jetzt zum Problem", attestiert auch die Bundeslandwirtschaftsministerin. CDU-Politikerin Julia Klöckner tut das jetzt, und nicht nur das: "Wir müssen mehrere Millionen Bäume aufforsten. Dafür brauchen wir mindestens 600 Millionen Euro." Nur so könnten aber die massiven Schäden der vergangenen Jahre - etwa 110.000 Hektar sollen laut Landwirtschaftsministerium verloren gegangen sein - ausgeglichen werden.

110.000 Hektar, das klingt nach viel. Ist aber im Vergleich mit dem Aufforstungspotenzial, das die Schweizer Uni ETH diese Woche errechnet hat, nur ein Tropfen auf den heißen Stein: 900 Millionen Hektar - etwa die Fläche der USA - ließen sich weltweit problemlos aufforsten, ohne Menschen vertreiben oder Ackerland aufgeben zu müssen. Die gepflanzten Bäume könnten zwei Drittel des von Menschen produzierten CO2 aufnehmen - eine schöne Vorstellung.

Anreizsysteme oder Verbote?

Die Globalaufforstung wird aber wohl fürs Erste ein Gedankenspiel bleiben, ganz im Gegensatz zur vieldiskutierten CO2-Steuer. Franz Alt findet das gefährlich: "Warum denn immer Steuern, warum verbieten wir nicht einfach das Verbrennen fossiler Brennstoffe? Das wird ja eh irgendwann kommen."

Auch ein derartiges Verbot dürfte auf absehbare Zeit reines Wunschdenken sein, die Argumentationslinie des Journalisten ist aber enorm spannend: "Sklaverei ist doch auch nicht abgeschafft worden, weil Sklaven ein bisschen besteuert wurden, sondern weil sie verboten wurde." Bauernpräsident Rukwied, der sich die meiste Zeit des Abends eher zurückhielt, schnappt sich nun das kurze Schlusswort der Sendung, das vielen Zuschauern aus dem Herzen sprechen dürfte: "Anreizsysteme sind besser als Verbote." Es müssen nur die richtigen sein.

Quelle: n-tv.de

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