Politik

Johnson besucht Schottland Sturgeon geht von No-Deal-Brexit aus

Die Schotten votierten mehrheitlich für einen Verbleib Großbritanniens in der Europäischen Union. Nun fürchten sie einen Brexit ohne Vertrag. Den erwartet zumindest Regierungschefin Sturgeon nach einem Treffen mit Premier Johnson. Dessen Kurs nennt sie "extrem gefährlich".

Die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon sieht den Brexit-Kurs des neuen britischen Premierministers Boris Johnson als gefährlich für ihre Region und das ganze Land an. Sie gehe davon aus, dass Johnson auf einen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union ohne Vertrag aus sei, sagte Sturgeon nach einem Treffen mit Johnson in Edinburgh.

Es sei nicht klar, wie er die EU zu Neuverhandlungen über den Brexit-Vertrag bewegen wolle. "Daraus schließe ich, egal was er öffentlich sagt, dass er in Wirklichkeit einen Brexit ohne Vertrag anstrebt", sagte Sturgeon. Das sei die logische Konsequenz aus dem harten Kurs, den Johnson verfolge. "Ich denke, das ist extrem gefährlich für Schottland, ja für das ganze Vereinigte Königreich."

Die schottische Regierung werde im Verlauf des Sommers mit den Vorbereitungen für ein weiteres Unabhängigkeitsreferendum fortfahren, bekräftigte die schottische Regierungschefin. Bei einer ersten solchen Abstimmung 2014 hatten sich noch 55 Prozent der Schotten gegen eine Ablösung von dem Vereinigten Königreich ausgesprochen. Bei dem Brexit-Referendum im Juni 2016 hatten sie aber mehrheitlich für einen Verbleib des Vereinigten Königreichs in der EU gestimmt.

Johnson bekräftige bei dem Gespräch mit Sturgeon seine Haltung, wie sein Büro mitteilte. Er ziehe es vor, einen neuen Vertrag mit der EU auszuhandeln. Großbritannien werde die EU aber unter allen Umständen am 31. Oktober verlassen. Zuletzt verschärfte London gegenüber der EU den Ton. Der neue Außenminister Dominic Raab warf Brüssel vor, sich "halsstarrig" zu verhalten, da die EU den mit der Vorgängerregierung ausgehandelten Austrittsvertrag nicht mehr aufschnüren wolle.

Quelle: n-tv.de, mli/rts/AFP

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