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Aleppo-Rebellen droht Niederlage Syrische Armee schlägt Offensive zurück

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Kämpfer der Freien Syrischen Armee feuern im Südwesten Aleppos auf ihre Gegner.

(Foto: REUTERS)

Es wird eng für die Assad-Gegner und Islamisten im syrischen Aleppo. Ihre Offensive zur Befreiung aus der Einkesselung droht zu scheitern. Die Regierungskräfte wehren die Angriffe der Rebellen ab, auch mit Hilfe aus Russland.

Mit massiver russischer Luftunterstützung haben syrische Regierungstruppen die Aufständischen im Kampf um Aleppo zurückgedrängt. Einige Dörfer und Hügel am Rand der Stadt seien wieder unter Kontrolle des Regimes und seiner Verbündeten, teilte die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mit.

Die Lage für bis zu 300.000 Eingeschlossene wird immer dramatischer. Helfer sprachen von einer der größten Herausforderungen seit Beginn des Krieges vor mehr als fünf Jahren. Seit dem Wochenende versuchen Aufständische unter der Führung islamistischer Gruppen, die Belagerung des Ostteils der Stadt zu durchbrechen.

Dutzende tote Zivilisten und Kämpfer

"Seit Beginn der Offensive sind mindestens 40 Zivilisten getötet worden", sagte der Leiter der Beobachtungsstelle, Rami Abdel Rahman. Die Beobachtungsstelle hat ihren Sitz im englischen Coventry, verfügt aber über ein breites Netzwerk an Informanten in Syrien. Etwa 50 Rebellen und dutzende Regierungssoldaten seien getötet worden.

Syrische Staatsmedien berichteten über eine breit angelegte Gegen-Offensive der Regierungstruppen und ihrer Verbündeten, um Gebiete im Südwesten von Aleppo zurückerobern, die zuvor von Rebellen eingenommen worden waren.

Die Gegend ist besonders umkämpft, weil Aufständische dort versuchen, eine Schneise in den Belagerungsring um die Rebellenviertel Aleppos zu schlagen. Vor mehr als zwei Wochen hatten Regimetruppen die letzte Versorgungsroute in den Ostteil der Stadt gekappt.

Medizinische Helfer im Visier

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen sind bis zu 300.000 Menschen im Osten Aleppos eingekesselt. Internationale Hilfsorganisationen befürchten eine humanitäre Katastrophe. Neben der Versorgung mit Nahrungsmitteln macht den Helfern vor allem die medizinische Notlage Sorgen.

Für die Bewohner in den abgeriegelten Teilen sei es nahezu unmöglich, medizinische Behandlung zu bekommen, teilte die Hilfsorganisation Ärzte der Welt mit. "Die Abriegelung und die Aufforderung an die Zivilbevölkerung, Aleppo zu verlassen, stellt die humanitäre Hilfe vor eine der größten Herausforderungen seit Beginn der Syrienkrise", sagte François de Keersmaeker, Direktor von Ärzte der Welt.

Besonders der gezielte Angriff von medizinischen Einrichtungen sei inakzeptabel. In nur einer Woche seien bei mehreren Angriffen zwei Ambulanzen, sechs Krankenhäuser, die Blutbank und eine Kinderstation teilweise oder ganz zerstört worden, kritisierte die Organisation. Gesundheitseinrichtungen, die nach internationalem Recht geschützt werden müssten, würden gezielt angegriffen.

Laut Moskau keine Erstürmung geplant

Auch Kreml-Sprecher Dmitri Peskow bezeichnete die humanitäre Lage in Aleppo als "sehr dramatisch". Russland bemühe sich, die Situation in der "strategisch außerordentlich bedeutenden Stadt" zu verbessern.

Das Außenministerium in Moskau wies Spekulationen über einen möglichen Sturm auf Aleppo zurück. Zuvor hatte der syrische Botschafter in Moskau, Riad Haddad, einen "mächtigen Schlag gegen Terroristen" in Aleppo nicht ausgeschlossen. Als Terroristen werden von der syrischen Führung alle Aufständischen bezeichnet.

In Aleppo kämpfen moderate Gruppen Seite an Seite mit Islamisten gegen Machthaber Baschar al-Assad.

Quelle: n-tv.de, shu/dpa

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