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"Griechenland wird gedemütigt" Syriza-Flügel lehnt Gipfeleinigung ab

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Bei einer Tagung des Athener Parlaments

(Foto: dpa)

Der linke Flügel der griechischen Regierungspartei Syriza macht Front gegen die Brüsseler Gipfelbeschlüsse. Land und Leute seien gedemütigt worden, Griechenland verkomme zu einer Schuldenkolonie unter der Aufsicht Deutschlands.

Der linke Flügel der Syriza-Partei von Griechenlands Ministerpräsident Alexis Tsipras ruft zum Widerstand gegen die Ergebnisse des Euro-Gipfels auf. "Nach 17-stündigen Verhandlungen haben die Staats- und Regierungschefs der Euro-Zone eine Vereinbarung geschlossen, die Griechenland und die Griechen demütigt", erklärte die Partei-Linke. "Das griechische Volk darf sich dadurch nicht entmutigen lassen, im Gegenteil: Es muss hartnäckig bleiben, wie es das im Referendum und den landesweiten Protesten für ein 'Nein' bis ganz zum Ende war." Gegner der Einigung von Brüssel haben für den Abend zu einer Demonstration im Zentrum Athens aufgerufen.

Es handle sich um ein Rettungspaket mit noch härteren Konditionen als seine Vorgänger, das die Troika wieder etabliere und das Land dazu verdamme, "eine Schuldenkolonie" unter der Aufsicht einer von Deutschland geführten EU zu bleiben, kritisierte der radikale Flügel des Linksbündnisses. Die Griechen müssten Nein sagen - zum Rettungspaket, zum Neoliberalismus und der Sparpolitik, die das Rückgrat der Euro-Zone bildeten.

Die Spannungen im linken Syriza-Bündnis waren am Freitag offen sichtbar geworden, als 17 Angeordnete Tsipras im Parlament die Gefolgschaft bei der Frage verweigerten, ob er mit den Geldgebern überhaupt über ein neues Hilfspaket verhandeln darf. Tsipras bekam zwar die Zustimmung, war aber auf Stimmen der Opposition angewiesen. Auch für die anstehenden Abstimmungen über das Rettungspaket ist der Regierungschef auf die Unterstützung der Opposition angewiesen.

Griechen sind enttäuscht

Auch viele Wähler äußerten sich enttäuscht und resigniert. "Wissen Sie, es ist zwar schon ein Sieg, aber ein Pyrrhus-Sieg, weil die Bedingungen sehr streng sind", sagte die 73-jährige Marianna in Athen. "Die Menschen leiden seit fünf Jahren, und jetzt wird es noch schlimmer. Das macht es schwierig für uns."

"Ich bin sehr enttäuscht", sagte auch die 43 Jahre alte Angestellte Christina. Die Regierung habe zunächst sehr schwungvoll agiert und den Menschen einen Hoffnungsschimmer gegeben. "Wir waren auf schlechte Nachrichten vorbereitet, und dann ist das Schlimmste eingetreten. Das ist es, was die meisten Menschen jetzt empfinden."

Tsipras muss handeln

Wegen der fehlenden Loyalität seiner Mannschaft wird erwartet, dass Tsipras in den kommenden Tagen seine Regierung umbildet. Er dürfte nach Angaben aus regierungsnahen Kreisen jene Rebellen aus seinem Bündnis Syriza herausdrängen, die gegen die neuen Sparvorhaben sind, die zügig durch das Parlament gebracht werden müssten. Denn die Geldgeber fordern von Tsipras sofortiges Handeln. Nur so hat er die Chance, verlorengegangenes Vertrauen wieder herzustellen und seinen Willen zu beweisen, tatsächlich hinter seinen eigenen Einsparvorschlägen zu stehen.

Quelle: n-tv.de, ppo/rts

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