Politik

Kurz vor Trumps China-ReiseTaiwan schafft mit Himars-Raketenwerfern "Todeszone" auf Inseln

12.05.2026, 10:47 Uhr
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Taiwans Armee rüstet mit mehr Himars-Systemen auf. (Foto: REUTERS)

Taiwan sieht sich tagtäglich mit einer massiven Drohkulisse aus China konfrontiert. Der Inselstaat setzt nun vermehrt auf Abschreckung. Neben dem Ausbau der militärischen Kooperation mit den USA sollen reichweitenstarke Raketen sowie "Todeszonen" Abhilfe schaffen.

Das taiwanische Militär will einem Medienbericht zufolge mehrere Himars-Raketenwerfer strategisch stationieren, um eine Drohkulisse gegen China aufzubauen. Das berichtet die "Taipei Times" unter Berufung auf Militärquellen. Demnach werden die Waffen aus US-amerikanischer Produktion zu den Inseln Penghu und Dongyin geschafft. Ein genauer Zeitplan ist nicht bekannt. Damit sollen die chinesischen Streitkräfte gezwungen werden, sich mindestens 100 Kilometer von der Küste zu entfernen, um nicht in Reichweite des Waffensystems zu sein. Es soll demnach eine "Todeszone" kreiert werden, um Chinas Militär abzuschrecken und von einer Invasion abzuhalten - unter dem Motto: "Angriff ist die beste Verteidigung".

Taiwan hat dem Bericht zufolge mehrere Lieferungen von Himars und ATACMS aus den USA erhalten. Sobald alle Lieferungen angekommen seien, würde das Land über 111 Himars-Einheiten und 504 ATACMS verfügen, die eine Reichweite von 300 Kilometern haben. Die Penghu-Inseln liegen westlich von Taiwans Hauptinsel. Dort stationierte Himars könnten der "Taipei Times" zufolge mehr als 150 Kilometer ins Landesinnere Chinas einschlagen und militärische Versorgungszentren beschädigen.

Bei Donqyin handelt es sich um das nordwestlichste Territorium Taiwans in unmittelbarer Nähe zu China, was die Reichweite der Himars ins Inland noch einmal erhöhen würde. Wenn das chinesische Militär zum Rückzug gezwungen würde, erhöhe sich die benötigte Zeit, um die Straße von Taiwan zu überfliegen oder eine amphibische Landung durchzuführen, hieß es. Pekings Plan für eine "schnelle und entschlossene" Invasion würde damit gestört und Taiwan wertvolle Frühwarnzeit zur Mobilisierung verschafft werden.

Bricht Trump eine Grundregel aus den 1980er Jahren?

Unterdessen kündigte Taipeh eine verstärkte Zusammenarbeit mit seinem wichtigsten Verbündeten, den USA, an. Zuvor hatte US-Präsident Donald Trump Gespräche mit der chinesischen Führung über US-Waffen für Taiwan in Aussicht gestellt. "Wir werden die Kooperation mit der US-Seite weiter verstärken und wirkungsfähige Abschreckungsfähigkeiten aufbauen", sagte ein Sprecher des taiwanischen Außenministeriums. Gemeinsam solle für "Frieden und Stabilität in der Straße von Taiwan" gesorgt werden.

Trump hatte am Montag in Washington gesagt, bei seiner bevorstehenden China-Reise wolle er mit Staatschef Xi Jinping ab Donnerstag über Waffenlieferungen an Taiwan diskutieren. Auf die Frage von Journalisten, ob die USA Taiwan weiterhin Waffen liefern sollten, sagte der Republikaner: "Präsident Xi hätte gerne, dass wir es nicht tun, und ich werde darüber mit ihm sprechen."

Eine Grundregel der US-Außenpolitik aus den 1980er-Jahren besagt eigentlich, dass Washington China bei der Aufrüstung Taiwans nicht konsultiert. Der republikanische Präsident Ronald Reagan hatte dies 1982 in den sogenannten "sechs Zusicherungen" an Taiwan festgelegt. Chinas Führung betrachtet Taiwan als Teil der Volksrepublik, obwohl die Insel über eine eigene demokratisch gewählte Regierung verfügt. Peking will den Inselstaat notfalls mit militärischer Gewalt mit dem Festland vereinen. Washington erkennt Taiwan zwar nicht offiziell an, ist jedoch der wichtigste militärische Unterstützer der Insel.

Trump hatte Xi vergangene Woche als "tollen Typen" bezeichnet, mit dem er eine "sehr gute Beziehung" pflege. Der US-Präsident soll am Mittwochabend (Ortszeit) in Peking eintreffen, am Donnerstag und Freitag sind Gespräche mit Xi geplant. Es ist die erste China-Reise Trumps seit seiner ersten Amtszeit 2017.

Quelle: ntv.de, fzö/AFP

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