Politik

Vorbote von U-Boot-Einsatz?Taiwan verjagt chinesisches Forschungsschiff

11.05.2026, 08:15 Uhr
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China betrachtet Taiwan als Teil seines Staatsgebiets. (Foto: REUTERS)

Auf den ersten Blick ist es nur ein Forschungsschiff, das Messgeräte ins Wasser herablässt. Für die taiwanische Küstenwache allerdings ist es Teil der chinesischen Zermürbungstaktik und wird deshalb abgedrängt. Wohl auch, weil seine Arbeit militärischen Zwecken dienen könnte.

Die taiwanische Küstenwache hat ein chinesisches Forschungsschiff vertrieben. Das Schiff habe in taiwanesischen Gewässern illegale Einsätze ausgeführt, teilte die Behörde mit. Bereits am vergangenen Donnerstag sei die "Tongji" 29 Seemeilen südöstlich der Südspitze Taiwans entdeckt worden, knapp außerhalb der Sperrzonen. Die Besatzung habe Seile ins Wasser gelassen, was auf den Einsatz wissenschaftlicher Instrumente für illegale Vermessungsarbeiten hingedeutet habe.

Daraufhin sei ein Schiff der taiwanischen Küstenwache nah an die "Tongji" herangefahren, um durch sein Kielwasser Turbulenzen zu erzeugen. Zudem habe man die "Tongji" aufgefordert, sofort alle Aktivitäten einzustellen. Das chinesische Schiff habe daraufhin seine Instrumente eingeholt und die Gewässer verlassen.

Chinesische Forschungsschiffe versuchten unter Missachtung des Völkerrechts, illegale Vermessungsaktivitäten in taiwanesischen Gewässern auszuführen, erklärte die Küstenwache. Die Regierung in Taipeh wirft der Führung in Peking vor, neben regelmäßigen militärischen Manövern zudem vermeintlich zivile Schiffe in die Region zu entsenden. Diese Taktik der sogenannten Grauzone diene dazu, Taiwan unter Druck zu setzen und seine Streitkräfte zu zermürben. China betrachtet die demokratisch regierte Insel als eigenes Staatsgebiet und hat auch eine militärische Eroberung nicht ausgeschlossen.

Das erst im vergangenen Jahr in Dienst gestellte allwettertaugliche Forschungsschiff "Tongji" kann chinesischen Staatsmedien zufolge unter anderem für Meeresgeologie und Offshore-Ingenieurarbeiten wie die Verlegung von Pipelines eingesetzt werden. China vermisst und kartiert weite Teile des Meeresbodens im Pazifik sowie im Indischen Ozean. Die Erkenntnisse werden nach offiziellen Angaben zu Forschungszwecken eingesetzt. Sie sind aber auch wertvoll für die Manövrierfähigkeit chinesischer U-Boote.

Unterwasserkarten und Daten etwa zur Temperatur des Wassers, zu seinem Salzgehalt oder zu Strömungen sind entscheidend für die Planung von Einsätzen unter Wasser. U-Boote bewegen sich mithilfe von Sonartechnik fort. Sie senden Schallwellen aus und empfangen deren Echo. Auf dieser Grundlage können sie sich unter Wasser orientieren.

Quelle: ntv.de, lwe/AFP

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