Politik

Streben nach Hilfsgeldern Taliban-Dekret untersagt Zwangsheirat

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Unter der Herrschaft der Taliban wurden die meisten weiterführenden Schulen für Mädchen geschlossen.

(Foto: imago images/ITAR-TASS)

Mit der Machtübernahme der Taliban verschlechtert sich die Situation der Frauen deutlich. Ein Erlass soll ihnen nun einige grundlegende Rechte garantieren. Angaben zu wichtigen Themen wie Bildung oder Arbeit gibt es jedoch keine. Die Islamisten hoffen auf internationale Hilfsgelder.

In Afghanistan sind die militant-islamistischen Taliban dreieinhalb Monate nach ihrer Rückkehr an die Macht für die Achtung einiger Frauenrechte eingetreten. In einem nun veröffentlichten Erlass wiesen sie Organisationen, religiöse Gelehrte und Älteste an, ernsthafte Maßnahmen zur Durchsetzung von Frauenrechten zu ergreifen. Wörtlich heißt es darin: "Eine Frau ist kein Eigentum, sondern ein edler und freier Mensch."

Bislang haben die Islamisten seit der Machtübernahme Mitte August die Rechte von Frauen wieder deutlich eingeschränkt. In dem Erlass wird als eines der Rechte angeführt, dass niemand eine unverheiratete Frau oder eine Witwe zur Heirat zwingen dürfe. Auch dürfe niemand Frauen im Austausch für Frieden oder zur Beendigung einer Feindseligkeit irgendjemandem zur Verfügung stellen. In Afghanistan kommt es immer wieder vor, dass eine Frau etwa bei Familienfehden als Wiedergutmachung gegeben wird.

Witwen hätten zudem einen Anspruch auf ein Erbe sowie auf eine Brautgabe, sollten sie wieder heiraten. In dem Erlass werden zudem zwei Ministerien sowie die Gerichte dazu aufgefordert, dafür zu sorgen, dass diese Rechte bekannt gemacht und umgesetzt werden. Die Positionen in dem Dekret sind insgesamt nicht neu und entsprechen auch den Regeln des Islam. Auch die bisherigen afghanischen Gesetze garantierten diese Rechte. Allerdings wurden sie auch vor der Machtübernahme der Taliban oft nicht gewährt. Vor Gericht waren sie oft nicht durchsetzbar.

In dem neuen Dekret gibt es keine Angaben zu Rechten von Frauen bezüglich Bildung oder Arbeit. Die Islamisten haben seit der Rückkehr an die Macht die Rechte von Frauen merklich beschnitten. Sie können in vielen Fällen nicht mehr zurück an ihre Arbeitsplätze. Die meisten weiterführenden Schulen für Mädchen sind geschlossen. Straßenproteste von Aktivistinnen wurden gewaltsam unterdrückt. Viele flohen aus dem Land.

Frauenrechte als Voraussetzung für Gelder

Die Taliban streben an, erneuten Zugang zu Milliarden Hilfsgeldern zu erhalten, die nach dem Zusammenbruch der vom Westen unterstützten Regierung gesperrt worden waren. Die Wahrung von Frauenrechten wird von den wichtigsten Geberländern als Voraussetzung für die Wiederaufnahme der Hilfen genannt.

Während der Taliban-Herrschaft von 1996 bis 2001 hatten Frauen praktisch keine Rechte. Sie mussten die komplett verhüllende Burka tragen, durften sich nur in männlicher Begleitung in die Öffentlichkeit begeben und waren von Schulbildung und Arbeit ausgeschlossen.

Quelle: ntv.de, mdi/dpa/AFP

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