Politik

NATO zieht Truppen weiter ab Taliban attackieren Provinzhauptstadt

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Die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den Taliban nehmen wieder zu.

(Foto: dpa)

Nach rund 20 Jahren ziehen die NATO und ihre Partner ihre Truppen aus Afghanistan ab - der Konflikt mit den islamistischen Taliban dauert allerdings weiter an. Mit dem Angriff auf die Provinzhauptstadt Kala-i-Naw spitzt sich die Lage jetzt wieder zu.

Erstmals seit dem Beginn des Rückzugs der internationalen Truppen aus Afghanistan haben die Taliban wieder eine Provinzhauptstadt angegriffen. Die radikalislamischen Kämpfer starteten eine Großoffensive auf Kala-i-Naw, der Hauptstadt der Provinz Badghis im Westen des Landes. Verteidigungsminister Bismillah Mohammadi spricht von "Krieg".

Der Sturm auf Kala-i-Naw startete nur wenige Stunden nach der Erklärung der US-Armee, dass der Rückzug aus Afghanistan zu 90 Prozent vollzogen sei. Seit Beginn des Abzugs der US- und NATO-Truppen im Mai haben sich die Kämpfe zwischen Regierungstruppen und den Taliban wieder intensiviert. Beobachter befürchten, dass die Miliz nach dem vollständigen Abzug der internationalen Streitkräfte wieder die Macht in dem Land übernehmen könnte. Die Islamisten sind in vielen Landesteilen auf dem Vormarsch.

In Kala-i-Naw kam es zu heftigen Kämpfen. Berichten zufolge nahmen die Taliban mehrere Polizeireviere und Stützpunkte des Geheimdienstes ein. "Der Feind ist in die Stadt eingedrungen, alle umliegenden Bezirke sind gefallen", teilte der Gouverneur von Badghis, Hessamuddin Schams, Journalisten in einer Textnachricht mit.

Später veröffentlichte er ein Video, in dem er die Bevölkerung zur Ruhe aufrief: "Meine Botschaft ist, bitte bleibt ruhig. Ich versichere Euch, dass wir alle alles tun werden, um gemeinsam die Stadt zu verteidigen", sagte Schams, der offenbar mit einem Gewehr bewaffnet war. Im Hintergrund der Aufnahme waren Schüsse zu hören.

Zeitgleich zu den heftigen Kämpfen in Kala-i-Naw trafen sich Vertreter der afghanischen Regierung und der Taliban in Teheran. Der iranische Außenminister Mohammed Dschawad Sarif begrüßte bei der Eröffnung des Treffens den US-Truppenabzug im Nachbarland. Er betonte jedoch auch: "Heute müssen das Volk und die politische Führung Afghanistans schwierige Entscheidungen für die Zukunft ihres Landes treffen." Die iranische Regierung zeigte sich angesichts der jüngsten Entwicklungen in Afghanistan beunruhigt. In den vergangenen Jahren hat der Iran Millionen Flüchtlinge aus dem Nachbarland aufgenommen.

Quelle: ntv.de, sso/AFP/dpa

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