Politik

Berichte von Leichen in Straßen Taliban greifen große Städte Afghanistans an

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Soldaten der afghanischen Regierungstruppen bei Gefechten in Kandahar.

(Foto: imago images/Xinhua)

Die radikal-islamistischen Taliban erobern in Afghanistan Bezirk um Bezirk, seit dem Beginn des Abzugs der NATO-Truppen schwappt eine Welle der Gewalt durch das Land. Nun könnte die Miliz einige Großstädte wie Herat einnehmen.

Taliban-Offensiven in mehreren Provinzen setzen die afghanischen Regierungstruppen immer stärker unter Druck. Kämpfer der radikal-islamistischen Miliz drangen erneut in die Provinzhauptstadt Laschkar Gah vor und lieferten sich Gefechte mit afghanischen Streitkräften. In der Nacht zuvor hatten sie bereits den Flughafen von Kandahar, der zweitgrößten Stadt des Landes, mit mehreren Raketen angegriffen.

Seit dem Beginn des vollständigen Abzugs der internationalen Truppen aus Afghanistan haben die Taliban weite Teile des Landes erobert. Nach der Eroberung großer ländlicher Gebiete dringen sie immer mehr gegen wichtige Provinzhauptstädte vor. Seit rund einer Woche liefern sich Islamisten und Regierungstruppen Gefechte in den Außenbezirken der Provinzhauptstädte Herat im Westen und Laschkar Gah im Süden des Landes.

Raketenangriff auf Flughafen

Am Samstag waren die Taliban aus Laschkar Gah, der Hauptstadt der südafghanischen Provinz Helmand, noch zurückgedrängt worden. Einen Tag später kehrten sie aber mit voller Stärke zurück und schafften es erneut, in die 200.000-Einwohner-Stadt vorzudringen. "Die Kämpfe in der Stadt dauern an, und wir haben um Verstärkung durch Spezialeinheiten gebeten", sagte der Vorsitzende des Provinzrats von Helmand, Ataullah Afghan. Die Aufständischen hätten mehrere Verwaltungsgebäude in ihre Gewalt gebracht, berichtete der Einwohner Badschah Chan. Die Straßen seien mit Leichen übersät.

Viktor Urosevic, medizinischer Koordinator der italienischen Hilfsorganisation Emergency, berichtete ebenfalls von Kampfhandlungen in der Stadt. Die 98 Betten des von Emergency betriebenen Krankenhauses seien derzeit zu 90 Prozent ausgelastet, erklärte Urosevic. Am Samstag hatten die Regierungstruppen einen Luftangriff auf ein kleines Krankenhaus in Laschkar Gah geflogen. Das Gebäude war laut offiziellen Angaben zuvor von den Taliban eingenommen worden. Einem Behördenvertreter zufolge wurde bei den Angriffen ein Mensch getötet, zwei weitere seien verletzt, das Krankenhaus sei zerstört worden.

In Kandahar wurde die in der Nacht durch zwei Raketen beschädigte Startbahn des Flughafens repariert und der Flugverkehr wieder aufgenommen, wie Flughafendirektor Massud Paschtun mitteilte. Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid bestätigte den Raketenangriff. Der Flughafen von Kandahar spielt eine wesentliche Rolle bei der Verteidigung der Stadt gegen die radikalislamische Miliz.

Spezialeinheit soll Herat sichern

Die Aufständischen rückten nun auch näher an die Stadtgrenzen von Herat heran und eröffneten am westlichen Stadtrand eine neue Front. In den vergangenen Tagen hatten sich die Kämpfe hauptsächlich auf die südlich der Stadt gelegenen Gebiete konzentriert. "Die Taliban griffen am Morgen den Bezirk Nummer 7 an, wurden aber zurückgeschlagen", sagte Dschailani Farhad, Sprecher des Gouverneurs der Provinz Herat.

Das afghanische Verteidigungsministerium kündigte die Entsendung von Hunderten Soldaten einer Spezialeinheit nach Herat an. Herat ist mit 600.000 Einwohnern die drittgrößte Stadt Afghanistans. In den vergangenen Wochen hatten die Taliban bereits die Einnahme von zwei Grenzübergängen zum Iran und Turkmenistan in der Provinz Herat gemeldet.

Die Einnahme einer der großen urbanen Zentren Afghanistans durch die Taliban würde die Dynamik des Konflikts nach Einschätzung von Experten zugunsten der Islamisten verändern. Beobachter befürchten, dass die Taliban nach dem vollständigen Abzug der NATO-Truppen wieder die Kontrolle in Afghanistan übernehmen könnten. Etwa die Hälfte der rund 400 Bezirke Afghanistans befindet sich bereits unter ihrer Kontrolle. Die Friedensverhandlungen zwischen den Taliban und der afghanischen Regierung in Doha sind seit Monaten festgefahren.

Quelle: ntv.de, mbe/AFP

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