Politik

Migrationsexperte im "Frühstart" Knaus erwartet wenige Flüchtlinge aus Afghanistan

Innerhalb Afghanistans sind Tausende Menschen auf der Flucht vor den Taliban. Migrationsforscher Knaus geht allerdings davon aus, dass nur wenige von ihnen nach Europa kommen werden - schon wegen der "extrem harten Politik an den EU-Außengrenzen".

Nach dem Truppenabzug der NATO sind die Taliban in Afghanistan weiter auf dem Vormarsch. Viele Afghanen fliehen aus Angst vor deren Terror und hoffen auf Asyl in Europa. Doch der Soziologe und Migrationsforscher Gerald Knaus bezweifelt, dass Europa wieder vor einer Flüchtlingsbewegung wie im Jahr 2015 steht. "Wir dürfen nicht in eine Panik vor Flüchtlingsmassen verfallen, die es noch gar nicht gibt", sagte Knaus im "ntv Frühstart".

Der Soziologe wies darauf hin, dass im ersten Halbjahr dieses Jahres nur einige hundert Afghanen nach Europa gekommen seien. "Das liegt natürlich auch an der extrem harten Politik an den EU-Außengrenzen. Menschen kommen einfach nicht nach Europa herein", so Knaus.

Darüber hinaus wäre es für Tausende Afghanen, die im eigenen Land auf der Flucht sind, nur schwer möglich, aus dem Land herauszukommen: "Ob es den Menschen, die vor der Taliban fliehen müssen, überhaupt gelingen kann das Land zu verlassen, steht derzeit noch gar nicht fest. Es kann sein, dass viele im Land festsitzen werden", so Knaus. Das sei zwar eine Beruhigung "für die, die Flüchtlinge fürchten". Für die Menschen vor Ort sei es jedoch eine Katastrophe.

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Knaus geht davon aus, dass nur eine kleine Anzahl an Afghanen nach Europa fliehen wird. Die meisten würden in Afghanistan bleiben. Dies würde aber nicht heißen, dass man keine Verantwortung gegenüber den Menschen habe, die gefährdet sind und Hilfe benötigen. Knaus sieht dabei unter anderem Deutschland in moralischer Verantwortung: "Es wäre absurd, wenn man 20 Jahre lang eine Operation in Afghanistan durchführt und ab dem Tag des Abzugs, sind einem die Menschen egal." Wenn Deutschland bereit wäre, einige Zehntausend Flüchtlinge pro Jahr regulär aufzunehmen, wäre schon sehr viel erreicht, so Knaus.

Quelle: ntv.de, dhe

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