Politik

Gelehrte entscheiden über Burka Taliban kündigen Rat für Frauenfragen an

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Straßenszene in Kabul im Jahr 2002. Nun sind die Taliban zurück.

(Foto: REUTERS)

Für die Afghaninnen naht die Stunde der Wahrheit: Wie sie sich zu kleiden haben, ob sie arbeiten oder etwas lernen dürfen, entscheiden künftig Männer. Die Taliban wollen dafür ein Gremium von Islam-Gelehrten einsetzten. Auch die Rest-Armee soll unter das Kommando der Islamisten kommen.

Die Rechte von Frauen in Afghanistan sollen einem ranghohen Taliban-Anführer zufolge künftig von einem Rat islamischer Gelehrter festgelegt werden. Diese Gelehrten würden letztlich über Arbeit und Bildung für Frauen, ob Mädchen zur Schule gehen dürfen, und wie sich Frauen zu kleiden haben entscheiden, sagte Taliban-Vertreter Wahidullah Haschimi, der in die Entscheidungsprozesse der Islamisten eingebunden ist. Sie würden auch darüber entscheiden, ob Frauen einen Kopftuch-ähnlichen Hidschab, eine den ganzen Körper umhüllende Burka oder nur einen Schleier und eine Abaja - eine Art Ganzkörpergewand, bei der das Gesicht unbedeckt ist - oder etwas anderes tragen sollen. "Das bleibt den Gelehrten überlassen."

Am Dienstag hatte Taliban-Sprecher Sabihullah Mudschahid gesagt, die Rechte von Frauen würden respektiert, sie dürften arbeiten, studieren und aktiv an der Gesellschaft teilnehmen - "aber im Rahmen des Islam". Während ihrer Herrschaft von 1996 bis 2001 hatten die Taliban Frauen verboten zu arbeiten, Mädchen durften nicht zur Schule gehen. Frauen mussten zudem Burkas tragen, wenn sie ausgingen, und auch dann nur in Begleitung eines männlichen Verwandten. Wer gegen die Regeln verstieß, wurde von der Religionspolizei verfolgt und öffentlich bestraft.

Armeereform: Kampfpiloten und Ex-Soldaten rekrutieren

Auch erste Pläne über eine Armee-Reform wurden bekannt: Die Taliban wollen laut Haschimi ehemalige Piloten und Soldaten der afghanischen Streitkräfte für einen Neuaufbau der Armee gewinnen. Es werde zwar einige Veränderungen in der Armee geben. "Aber wir brauchen sie und werden sie auffordern, sich uns anzuschließen", sagte der Taliban-Anführer.

Die Taliban bräuchten vor allem Piloten, weil sie selbst keine hätten, aber ihnen bei der blitzartigen Eroberung des Landes nach dem Abzug der ausländischen Truppen Hubschrauber und Flugzeuge in die Hände gefallen seien. "Die meisten von ihnen haben eine Ausbildung in der Türkei, Deutschland und England absolviert. Wir werden also mit ihnen reden, damit sie auf ihre Positionen zurückkehren", sagte Haschimi.

Zudem würden die Taliban Nachbarländer auffordern, Militärflugzeuge zurückzugeben, mit denen Soldaten geflohen seien. Während ihres Vormarschs hatten die Taliban gezielt Piloten getötet, um die afghanische Luftwaffe auszuschalten.

Quelle: ntv.de, mau/rts

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