Politik

Kritik an Berlins Politikbetrieb Tauber: "Ich würde es wieder tun"

237664846.jpg

"In Berlin ist es so, dass man immer am Limit ist", sagt Tauber.

(Foto: picture alliance / ASSOCIATED PRESS)

Ex-CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat der Politik den Rücken gekehrt. Seit Donnerstag ist der 46-Jährige Pressesprecher in einem mittelständischen Unternehmen. Bei Markus Lanz hat Tauber ein kritisches Resümee seiner Zeit als Spitzenpolitiker gezogen.

Der ehemalige CDU-Generalsekretär Peter Tauber hat davor gewarnt, im Beruf ständig seine eigenen Grenzen zu ignorieren. Es sei völlig in Ordnung, hin und wieder im Beruf über sich hinauszuwachsen, gerade als Politiker, sagte Tauber in der ZDF-Talkshow mit Markus Lanz. Wenn Politiker aber immer bis an ihre Grenzen gingen, "haben wir am Ende nicht mehr Kapazitäten, noch weiter zuzulegen".

Über seine Arbeit als CDU-Generalsekretär sagte er: "In Berlin ist es so, dass man immer am Limit ist." Heute weiß er: das ist nicht unbedingt richtig. Deswegen hieß sein erstes Buch auch "Du musst kein Held sein". Taubers neues Buch "Was hält uns zusammen?" ist am vergangenen Montag erschienen.

Die Gesundheit spielte nicht mit

Tauber war von Dezember 2013 bis Februar 2018 Generalsekretär der CDU - in einer schwierigen Zeit für die Partei. Neben Verlusten bei mehreren Landtagswahlen gab es gerade gegen Ende von Taubers Amtszeit ständigen Streit mit der Schwesterpartei CSU, in dem es vor allem um den Umgang mit nach Deutschland geflüchteten Menschen ging. Dazu kam die schwierige Regierungsbildung nach der Bundestagswahl 2017.

Und dann der Schock: Tauber musste wegen einer entzündlichen Darmerkrankung operiert werden. Blutvergiftung, Bauchfellentzündung. Später folgte eine weitere Notoperation, Überlebenschance ungewiss. Die Nachwirkungen bei derartigen Operationen sind hart: Patienten ermüden schnell, sind oft unkonzentriert und launisch. Der Weg zurück ins Leben kann sehr schwer sein.

"Heute lebe ich achtsamer"

Als seinen größten Fehler betrachtet Tauber heute, sich zu sehr an anderen Menschen orientiert zu haben. Das träfe besonders auf seine Leistungsfähigkeit zu, sagte er. So sei Bundeskanzlerin Angela Merkel trotz durchwachter Nächte oft fitter als er selber gewesen. Darum habe er versucht, sich an Merkel zu orientieren. Und das sei falsch gewesen, sagt Tauber heute. "Man muss sagen können: Ich brauche andere Ruhephasen." Und weiter: "Die Hälfte meiner politischen Fehler habe ich gemacht, weil ich nicht darauf geachtet habe, Ruhephasen zu haben." Heute lebe er achtsamer, sagte Tauber.

Und noch etwas hat Tauber gelernt. Das Schlimmste am politischen Leben sei der Gedanke, immer etwas verhindern zu müssen. "Es würde der Politik mehr nützen, wenn man sich öfter fragt: Wie kann ich etwas ermöglichen?", sagte er.

Trotzdem ist Taubers Fazit: "Ich würde es wieder machen, vor allem weil ich viel gelernt habe." Das Wichtigste an einem politischen Amt sei das Wissen, dass man ohne Macht nichts bewegen kann. Taubers Fazit: "Die Möglichkeit, unser Land in eine gute Richtung zu lenken, ist nach wie vor der Hauptantrieb unserer von Politiker."

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen