Politik

Jüdin in Paris getötet Tausende fordern Prozess im Fall Halimi

754caaca14eada49ff1532be3a748360.jpg

Tausende Demonstranten versammelten sich nahe des Eiffelturms.

(Foto: AP)

Der Fall Sarah Halimi sorgte 2017 weltweit für Entsetzen. Die jüdische Frau wurde von einem Mann vom Balkon ihrer Pariser Wohnung gestoßen. Der mutmaßliche Täter muss sich aber nicht vor Gericht verantworten. In mehreren Städten gibt es nun Proteste - zudem deutet sich eine Gesetzesänderung an.

Tausende Menschen haben in Frankreich gegen die Entscheidung eines Gerichts protestiert, die Tötung einer 65-jährigen Jüdin nicht juristisch zu verfolgen. Sarah Halimis 27-jähriger Nachbar hatte im April 2017 unter "Allah-Akbar"-Rufen (Gott ist groß) auf die ältere Frau eingeprügelt, dabei Koranverse zitiert und sie über die Balkonbrüstung ihres Sozialbaus in die Tiefe gestürzt. Der Mann wurde wegen einer Psychose infolge von Cannabis- und Alkoholkonsum vor Gericht für unzurechnungsfähig erklärt und sitzt nun für mindestens 20 Jahre in der Psychiatrie.

9e38bff0525baf403edcd19856e05f3e.jpg

Ein Banner zeigt Sarah Halimi bei einem Protest in Marseille.

(Foto: AP)

Die Hinterbliebenen der Frau klagten dagegen, unterlagen jedoch vergangene Woche vor dem Pariser Kassationshof, der obersten juristischen Instanz Frankreichs. Sie wollen nun vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte in Straßburg ziehen, um doch noch einen Prozess gegen den Täter zu erreichen.

Bei der Demonstration versammelten sich nach Polizeischätzungen mehr als 25.000 Menschen nahe dem Pariser Eiffelturm, darunter der Chef der Partei La République en Marche von Präsident Emmanuel Macron, Christophe Castaner, die frühere First Lady Carla Bruni sowie die Pariser Bürgermeisterin Anne Hidalgo. Proteste gab es auch in Israel. Hunderte Menschen versammelten sich vor der französischen Botschaft in Tel Aviv, darunter mehrere Parlamentsabgeordnete.

Macron hatte sich Anfang der Woche für eine Gesetzesänderung ausgesprochen, wonach Gewalttäter nicht mehr wegen Drogenkonsums für schuldunfähig erklärte werden sollten. Justizminister Eric Dupond-Moretti kündigte an diesem Sonntag einen entsprechenden Gesetzentwurf bis Ende Mai an. Die Pariser Bürgermeisterin Hidalgo sagte im Sender BFMTV, dass eine Straße der Hauptstadt den Namen von Sarah Halimi tragen werde.

Das Pariser Berufungsgericht hatte Ende 2019 aufgrund von drei übereinstimmenden Gutachten entschieden, der Täter habe wegen seines Cannabis- und Alkoholkonsums in einem "Anfall von Wahn" gehandelt. Er sei deshalb juristisch schuldunfähig und könne nicht verurteilt werden.

Quelle: ntv.de, hul/AFP/dpa

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.