Politik

"Schutzzone" für Kinder CDU-Spitze will bundesweites Handyverbot an Schulen

09.02.2026, 11:53 Uhr
00:00 / 04:12
Fuer-Unterrichtszwecke-duerfen-Smartphones-und-Co-weiter-benutzt-werden
Smartphones in der Schule? In der CDU mehren sich die Stimmen dagegen.

Ob Schulen Handys erlauben oder verbieten sollen, wird seit Jahren debattiert. Teile der CDU sprechen sich nun für ein Verbot bis zur 10. Klasse aus. Dieses Vorhaben muss aber zunächst eine Hürde nehmen.

Die Frage nach einem Handyverbot an Schulen wird auch den CDU-Parteitag Ende der kommenden Woche beschäftigen. Nach Informationen des "Stern" wollen Teile der Partei die Smartphone-Nutzung bis einschließlich der 10. Klasse verbieten. Das geht aus einem Antrag der Frauen-Union und der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) hervor, aus dem das Magazin zitiert. Die CDU solle sich dafür einsetzen, einheitliche Regeln in den Bundesländern herbeizuführen. Die parteiinterne Antragskommission empfiehlt den Parteitagsdelegierten, den Antrag anzunehmen - damit hat das Anliegen den "Segen" der Parteispitze.

Für Kinder und Jugendliche sollen demnach "Schutzzonen" geschaffen werden, in denen die private Nutzung von digitalen Endgeräten während des Unterrichts und in den Pausen untersagt sei. Ausnahmen sollen in pädagogischen oder auch medizinischen Fällen möglich bleiben. Als Beispiel wird eine Diabetes-App genannt. Die Kultusminister der Länder sollen aufgefordert werden, einheitliche Regelungen zu erarbeiten.

Zur Begründung heißt es in dem Antrag, die "permanente Erreichbarkeit und Ablenkung durch soziale Medien, Chats und Spiele" könne die "Konzentrationsfähigkeit, die soziale Interaktion und das Lernklima erheblich beeinträchtigen". Laut wissenschaftlichen Studien gehe die Handynutzung mit "sinkender Aufmerksamkeit, höherem Stressniveau und geringerer Zufriedenheit im Schulalltag" einher. Lehrkräfte berichteten von Cybermobbing oder Störungen des Unterrichts, die mit Smartphone-Nutzung verbunden seien.

Der Antrag soll auf dem Parteitag der CDU in Stuttgart am 20. und 21. Februar zur Abstimmung gestellt werden. Auf dem Parteitag kann es noch zu Änderungen kommen. Forderungen, die Handynutzung von Kindern und Jugendlichen einzuschränken, gibt es seit längerem aus der CDU, in unterschiedlichem Ausmaß.

Merz für Verbot an Grundschulen

Bundeskanzler und Parteichef Friedrich Merz hatte sich im vergangenen Herbst bereits für ein Handy-Verbot an Grundschulen ausgesprochen. Bundesbildungsministerin Karin Prien stimmte dem gegenüber der Funke-Mediengruppe zu und forderte "altersgerechte Lösungen" für weiterführende Schulen.

Der thüringische Ministerpräsident und CDU-Präsidiumsmitglied Mario Voigt sprach sich für ein generelles Handyverbot für Kinder bis 14 Jahren aus. Dagegen sagte der Drogenbeauftrage der Bundesregierung, CDU-Politiker Hendrik Streeck, Verbote seien nicht immer der richtige Weg. "Wichtiger ist es, Kindern und Jugendlichen Medienkompetenz zu vermitteln, damit sie auch verstehen, warum da auch eine Suchtgefahr dahintersteht", sagte er dem MDR.

Ob der Antrag auf dem CDU-Parteitag eine Mehrheit findet, ist offen. Sollte das der Fall sein, wären die Bundesländer nicht daran gebunden, auch nicht die CDU-geführten. SPD-regierte Länder wie Niedersachsen haben sich beispielsweise skeptisch geäußert. So sagte der Vorsitzende der SPD-Landtagsfraktion, Stefan Politze, ein Handyverbot an Grundschulen sei "in dieser Pauschalität zu platt". Ein Schüler auf dem Land brauche beispielsweise ein Handy, um seine Eltern anzurufen, wenn er den Schulbus verpasst habe. In Sachsen sprachen sich SPD, Grüne und Linke gegen ein Handyverbot an Grundschulen aus. Die Kritiker eines Handyverbots warnen davor, das Problem ins Private zu verlagern, und betonen die Vorteile einer pädagogischen Begleitung der Smartphone-Nutzung.

Quelle: ntv.de, vpe

CDUSmartphonesSoziale NetzwerkeHandySchule