Trendbarometer nach CDU-VorstoßTeilzeit-Einschränkung fällt bei Wählern durch

Wie viel Lifestyle steckt in der Teilzeit? Aus Sicht des CDU-Wirtschaftsflügels zu viel. Ein Vorschlag, das Recht auf weniger Stunden einzuschränken, kommt mehrheitlich nicht gut an. Anders sieht es bei der Abschaffung des Acht-Stunden-Tages aus.
Eine Einschränkung des Rechts auf Teilzeit kommt in der Wählerschaft nicht gut an. Wie eine Umfrage für das Trendbarometer von RTL und ntv zeigt, lehnt eine Mehrheit von 59 Prozent entsprechende Pläne ab. Nur 38 Prozent fänden das sinnvoll. Anders sieht es bei der geplanten Abschaffung des Acht-Stunden-Tags zugunsten einer Wochenarbeitszeit aus. Da ist die Zustimmung deutlich größer.
In der Teilzeitfrage stößt die Idee der Mittelstandsvereinigung der CDU (MIT) bei den eigenen Wählern noch auf das größte Verständnis. Einhellig ist die Zustimmung aber keineswegs: 53 Prozent der Unionshänger wären dafür, 44 Prozent dagegen.
Bei den anderen Parteien ist das Meinungsbild klarer zugunsten der bisherigen Regelung. Bei den Grünen sind 84 Prozent gegen eine Änderung, bei den Linken 86 Prozent. Etwas offener sind Anhänger von SPD (39 Prozent für eine Einschränkung) und AfD, bei denen 41 Prozent der Reformidee etwas abgewinnen können. In Ostdeutschland ist der Zuspruch etwas höher als im Westen (45 gegenüber 37 Prozent), zwischen Männern und Frauen ist er fast gleich (Männer: 38 Prozent; Frauen: 37 Prozent).
Die MIT hatte in einem Antrag für den CDU-Parteitag Ende Februar gefordert, das Recht auf Teilzeit einzuschränken. Aktuell dürfen Mitarbeiter, die seit einem halben Jahr in einem Unternehmen mit mehr als 15 Angestellten arbeiten, einseitig ihre Stunden reduzieren. Wer keine Gründe wie Kindererziehung oder die Pflege von Angehörigen hat, soll nach MIT-Vorstellung keinen Rechtsanspruch auf Teilzeit mehr haben.
MIT-Chefin Gitta Connemann hatte diese Fälle als "Lifestyle-Teilzeit" bezeichnet und war damit bei der Opposition, aber auch in der eigenen Partei angeeckt. Generalsekretär Carsten Linnemann - früher selbst MIT-Vorsitzender - erteilte den Vorschlägen eine Absage.
Große Zustimmung für Wochenarbeitszeit
Dagegen findet der Plan, den Acht-Stunden-Tag zu lockern, größeren Anklang. Bislang ist es nur in Ausnahmefällen erlaubt, länger als acht Stunden zu arbeiten. CDU und CSU möchten dieses Verbot abschaffen und stattdessen eine Höchstarbeitszeit für die Woche einführen. Das soll zu mehr Flexibilität auch für Arbeitnehmer führen und Branchen mit Saisongeschäft helfen, etwa der Gastronomie..
59 Prozent der Befragten begrüßen die Idee einer Lockerung, 37 Prozent lehnen sie ab. In dieser Frage sind die Unterschiede zwischen Ost und West deutlicher. In den östlichen Ländern sind nur 47 Prozent dafür, im Westen hingegen 61. Am größten ist die Zustimmung bei Anhängern von CDU und CSU (70 Prozent) und SPD (66 Prozent). Auch die Mehrheit der Grünen-Wähler (55 Prozent) wäre dazu bereit. Eine Mehrheit gegen die Idee findet sich in der Wählerschaft der Linken (57 Prozent). AfD-Sympathisanten sind gespalten - 45 Prozent sind dafür, 50 dagegen.
Für das Trendbarometer befragte Forsa im Auftrag von RTL und ntv 1001 Menschen in Deutschland. Die Umfrage wurde zwischen dem 30. Januar und dem 2. Feburar durchgeführt. Die Fehlertoleranz liegt bei drei Prozentpunkten.