Politik

Nach Anschlag in Christchurch Terrorexperte kritisiert Internetkonzerne

49 Menschen sterben bei dem Anschlag auf zwei Moscheen im neuseeländischen Christchurch. Der Angreifer, ein 28 Jahre alter Australier, hatte zuvor im Internet rassistische Terror-Propaganda verbreitet. Ein Terrorexperte sieht deshalb Facebook, Youtube und Co. in der Pflicht.

Nach dem Anschlag gegen Muslime im neuseeländischen Christchurch hat der Terrorismus-Experte Peter Neumann von den großen Internetfirmen einen stärkeren Einsatz im Kampf gegen Propaganda von Terroristen gefordert. "Die Firmen müssen mehr beisteuern im Anti-Terror-Kampf. Das ist ihre Verantwortung als global agierendes Unternehmen", sagte Neumann den Zeitungen der Funke Mediengruppe. "Doch der Einsatz von Unternehmen wie Youtube und Facebook ist bisher zu wenig."

Gegen die rasante und massenhafte Verbreitung lasse sich "nur mit mehr Einsatz von Personal und Technik vorgehen, mit deren Hilfe diese brutalen Videos gelöscht werden", sagte der Politikwissenschaftler weiter. Neumann ist Professor am Londoner King’s College. Er forscht und arbeitet seit vielen Jahren zu Extremismus und Radikalisierung.

"Sammelsurium kruder Parolen"

Der Attentäter von Christchurch habe sich bei seinem Terroranschlag "sowohl auf die Ideologie traditioneller Neonazis" bezogen, führte Neumann aus. "Zugleich aber spricht er etwa vom 'großen Austausch'. Das ist eine populäre rassistische These der Neuen Rechten, die damit einen 'Kulturkampf' propagiert."

Noch etwas falle auf, so der Terrorexperte: "Der Attentäter postet nicht nur ideologische Texte oder Verweise, sondern veröffentlichte ein Sammelsurium an scheinbar unsinnigen, kruden und widersprüchlichen Videos und Parolen." Doch genau dies sei "typisch für eine aggressive neurechte Subkultur im Internet, die sich überall ihren Ideologie-Mix zusammensammelt", so Neumann.

Bei dem Doppelanschlag waren der Polizei zufolge am Freitag 49 Menschen getötet und 42 verletzt worden. Zwei Verletzte waren am Samstagmorgen (Ortszeit) noch in kritischem Zustand, darunter ein vier Jahre altes Kind.

Quelle: n-tv.de, bad

Mehr zum Thema