Politik

Neuanfang im gespaltenen Land Theresa May ist Premierministerin

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Die Ernennungszeremonie war kurz: Theresa May und Queen Elizabeth II. im Buckingham-Palast.

(Foto: REUTERS)

Am Ende geht alles ganz schnell: Nachdem David Cameron bei der Queen ohne viel Aufhebens seinen Rücktritt einreicht, folgt ihm May in den Buckingham-Palast. Ihre Ernennung zur neuen Premierministerin ist reine Formsache - und trotzdem ein historischer Moment.

Drei Wochen nach dem historischen Brexit-Votum hat Großbritannien eine neue Regierungschefin. Die bisherige Innenministerin Theresa May ist am Abend von Königin Elizabeth II. zur Premierministerin ernannt worden. Kurz zuvor hatte ihr Amtsvorgänger David Cameron der Queen seinen Rücktritt erklärt. Cameron hatte seine Frau und drei Kinder mit in den Buckingham-Palast gebracht, May ihren Mann. Mit Spannung wird ihr erster öffentlicher Auftritt vor dem Regierungssitz Downing Street Nr. 10 erwartet. Die Regierung bleibt mit May weiterhin in den Händen der Konservativen.

Bundeskanzlerin Angela Merkel freut sich auf die Zusammenarbeit mit May. Sie werde bald mit ihr in Kontakt treten, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert in Berlin. Auf die Frage, welche Erwartungen die Kanzlerin an die EU-Austrittsverhandlungen mit May habe, sagte Seibert: "Nun wollen wir die britische Seite ihre Entscheidungen treffen lassen. Da gibt es heute keine neuen Erwartungen. Die sind alle schon geäußert."

Cameron: Großbritannien ist "viel stärker"

Vor seiner Abfahrt zum Buckingham-Palast hatte Cameron in einer letzten Stellungnahme an seinem Regierungssitz in der Downing Street gesagt, es sei "die größte Ehre" seines Lebens gewesen, dort zu arbeiten. Seine sechs Jahre an der Regierungsspitze seien zwar kein "einfacher Weg" gewesen und er habe auch nicht immer die richtigen Entscheidungen getroffen. Er sei aber davon überzeugt, dass er das Land "viel stärker" gemacht habe.

Zuvor hatte Cameron in einer Fragestunde im britischen Unterhaus gemahnt, Großbritannien solle der EU auch künftig "so nahe bleiben, wie wir nur können". Der 49-Jährige hatte sich mit launigen Worten vom britischen Parlament verabschiedet. "Ich war einmal die Zukunft", sagte er nach sechsjähriger Amtszeit unter großem Beifall der Abgeordneten. "Ich werde die Rufe der Menge vermissen, ich werde die Buhs der Opposition vermissen."

Zweite Frau an Großbritanniens Spitze

Ein genaues Datum für den Beginn der formellen Austrittsverhandlungen gab May bisher nicht bekannt - Brüssel mahnte aber bereits rasches Handeln an. Zudem kommt es für die neue Premierministerin darauf an, negative wirtschaftliche Folgen des Brexit-Votums zu mildern. Bereits am Donnerstag dürfte die Bank of England die Leitzinsen senken, um auf diese Weise die lahmende Konjunktur anzukurbeln.

In London wird erwartet, dass May bereits in den kommenden Tagen Minister für ihr Kabinett ernennt. Britische Medien spekulierten, dass die Zahl der Frauen in der Regierung deutlich steigen dürfte. Baldige Neuwahlen schließt May allerdings aus, hieß es in ihrer Umgebung. Die 59-Jährige ist die erste Frau an der Regierungsspitze seit dem Rücktritt von Margaret Thatcher 1990. Seit 40 Jahren ist laut BBC kein britischer Premierminister zum Amtsantritt so alt gewesen wie May.

Quelle: ntv.de, jug/dpa/AFP