Politik

Von Versorgung abgeschnitten Tigray droht Masern- und Polio-Epidemie

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Medikamente fehlen ebenso wie Lebensmittel und Wasser.

(Foto: imago images/Joerg Boethling)

Im Norden Äthiopiens bahnt sich eine humanitäre Katastrophe an. Es fehlen Lebensmittel und dringend benötigte Medizin und Impfstoffe. Arzneimittel, die schon im Land sind, können nicht ausgeliefert werden, weil Lkws die Weiterfahrt verwehrt wird.

Die humanitäre Krise im Norden Äthiopiens spitzt sich weiter zu. Nach Angaben des UN-Nothilfebüros (OCHA) können vor allem in der Krisenregion Tigray die Notleidenden nur stark eingeschränkt versorgt werden. Derzeit warteten neun Hilfs-Lkw mit Medikamenten in der Stadt Afar und auf eine Genehmigung der Regierung für die Weiterfahrt. Laut dem Bericht werden in Tigray Impfstoffe gegen Polio und Masern für Hunderttausende Kinder benötigt. Sollte es nicht gelingen, diese Impfstoffe zu verabreichen, "wird es zu einem Ausbruch kommen", warnen die Autoren. Auch die Versorgung von mehr als 5,2 Millionen Menschen mit Lebensmitteln und Wasser sei nur unzureichend möglich.

Etwa 18.600 Kinder unter fünf Jahren seien wegen schwerer Mangelernährung in Krankenhäuser gebracht worden. Auch bei Schwangeren sowie stillenden Frauen sei der Anteil der Mangelernährten mit "rund 63 Prozent" sehr hoch, schreibt das OCHA weiter.

Berichten zufolge hat die Zentralregierung in Addis Abeba Anfang der Woche eine neue Militäroffensive in der Region begonnen. OCHA bezeichnete die Sicherheitslage als "unberechenbar", in den Grenzregionen Tigrays habe es in der vergangenen Woche Zusammenstöße gegeben.

Premierminister und Friedensnobelpreisträger Abiy Ahmed hatte im November eine Militäroffensive gegen die Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) gestartet, die bis dahin dort an der Macht war. Die TPLF dominierte Äthiopien gut 25 Jahre lang, bis Regierungschef Abiy 2018 an die Macht kam und sie verdrängte.

Viele Menschen in Tigray fühlen sich von der Zentralregierung nicht vertreten und fordern mehr Autonomie. Seit Anfang August hat sich der Konflikt auf die Nachbarregionen Afar und Amhara ausgeweitet. Hilfsorganisationen haben wegen der Sicherheitslage und bürokratischer Hürden nur einen eingeschränkten Zugang zu den Notleidenden. Beiden Konfliktparteien wird vorgeworfen, humanitäre Hilfe zu untergraben. Ende September hatte die äthiopische Regierung sieben leitende Mitarbeiter humanitärer UN-Organisationen des Landes verwiesen. Auch andere Hilfsorganisationen wie beispielsweise Ärzte ohne Grenzen (MSF) mussten die Arbeit teilweise oder ganz einstellen.

Quelle: ntv.de, ino/AFP/dpa

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