Politik

In Rom gestrandet Togoer aus Ellwangen lebt nun auf der Straße

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Nach den Vorfällen in dem Flüchtlingsheim in Ellwangen gab es zahlreiche Festnahmen.

(Foto: picture alliance / Stefan Puchne)

Sein Fall machte Schlagzeilen: Weil ein erster Abschiebeversuch von Yussif O. schief geht, wird der 23-Jährige zum Exempel für eine angeblich verfehlte Asylpolitik. Der Rechtsstaat will Stärke zeigen - und schiebt den jungen Mann ab. Nun ist er offenbar obdachlos.

Der 23-jährige Togoer, der nach Ausschreitungen im Flüchtlingsheim Ellwangen vergangene Woche nach Italien abgeschoben wurde, lebt einem Zeitungsbericht zufolge in der Hauptstadt Rom auf der Straße. Wie "Die Zeit" berichtet, sei Yussif O. derzeit obdachlos und habe auch seine Pläne, in Italien Asyl zu beantragen, mittlerweile aufgegeben. Weil er seine Heimreise aber nicht finanzieren könne, lebe er nun in einem Zeltlager. Das Blatt zitiert den Anwalt des Togoers mit den Worten, O. habe sich in Ellwangen nichts zuschulden kommen lassen. Im laufenden Verfahren wegen der Vorfälle in der Flüchtlingsunterkunft habe er lediglich einen "Zeugenstatus".

Am vergangenen Dienstag war der 23-Jährige vom Abschiebegefängnis in Pforzheim nach Mailand ausgeflogen worden. Er hatte sich zuvor vergeblich mit allen rechtlichen Mitteln bis hin zum obersten deutschen Gericht gegen die Rückführung gewehrt. "Der Rechtsstaat lässt sich nicht davon abhalten, Recht und Gesetz durchzusetzen, sagte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl von CDU. "Wir haben einen funktionierenden Rechtsstaat."

Der Fall des Togoers hatte bundesweit für Aufsehen und erneut heftige Diskussionen über die Asylpolitik gesorgt: Ein erster Versuch zur Abschiebung von Yussif O. scheiterte Ende April in der Unterkunft in Ellwangen am Widerstand anderer Migranten. Vier Polizisten sahen sich mehr als 150 anscheinend gewaltbereiten Flüchtlingen gegenüber und brachen die Aktion daraufhin ab. Drei Tage später kehrte die Polizei mit einem Großaufgebot zurück und nahm den 23-Jährigen in Abschiebehaft.

Schon kurz nach seiner Abschiebung hatte Anwalt Engin Sanli erklärt, er wisse nicht, "wie es jetzt mit ihm weitergeht". Er werde aber weiter Kontakt zu dem 23-Jährigen halten. Zunächst hatte O. demnach vorgehabt, in Italien erneut Asyl zu beantragen. Warum er diesen Plan aufgegeben hat, ist nicht bekannt. Nach dem Dublin-Abkommen müssen Flüchtlinge in jenem EU-Land Asyl beantragen, in das sie zuerst eingereist sind. Der Westafrikaner hatte nach seiner Flucht zuerst italienischen Boden betreten und war dort registriert worden.

Quelle: n-tv.de, jug/dpa

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