Politik

Festnahme in Ellwangen Togoer sitzt nach Razzia in Abschiebehaft

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Die Polizei durchsuchte am Morgen das Flüchtlingsheim in Ellwangen.

(Foto: dpa)

Bei einer Razzia in einem Flüchtlingsheim in Ellwangen wird ein Asylbewerber gefasst, dessen Festnahme am Montag am Widerstand zahlreicher Migranten gescheitert war. Nun sitzt der Mann aus Togo in Abschiebehaft.

Der bei einer Razzia in einem Flüchtlingsheim im baden-württembergischen Ellwangen festgenommene Asylbewerber ist in Abschiebehaft genommen worden. In welches Gefängnis der 23-Jährige aus dem westafrikanischen Togo kam, wollte ein Polizeisprecher nicht sagen.

Der Mann sollte ursprünglich in der Nacht zum Montag aus der Unterkunft geholt und nach Italien abgeschoben werden. Dieses EU-Land hatte er nach seiner Flucht aus der Heimat zuerst betreten. Die Aktion war allerdings am teils gewaltsamen Widerstand von bis zu 200 Migranten in der Unterkunft gescheitert. Die Polizei zog sich aus Sicherheitsgründen zurück.

Am Donnerstag durchsuchten Hunderte Beamte stundenlang die Unterkunft. Dabei konnte der 23-Jährige gefasst werden. Bei dem Großeinsatz wurden zudem mehrere Bewohner der Unterkunft wegen verschiedener Delikte vorläufig in Gewahrsam genommen. 17 Bewohner, die wiederholt als Unruhestifter aufgefallen seien, sollen in andere Flüchtlingseinrichtungen verlegt werden.

Rückendeckung für Polizei

Die Polizei erhielt für ihr Vorgehen breite Rückendeckung aus der Politik. Forderungen nach deutlichen Konsequenzen für Flüchtlinge, die Widerstand gegen Abschiebungen leisteten, wurden laut. Bundesinnenminister Horst Seehofer sagte, für ihn sei klar, "dass das Gastrecht nicht mit Füßen getreten werden darf". Er stehe hinter den Maßnahmen der baden-württembergischen Sicherheitsbehörden und der Polizei. Die empörenden Widerstandshandlungen müssten mit aller Härte und Konsequenz verfolgt werden, sagte der CSU-Politiker.

Der Rechtsstaat werde Recht und Gesetz durchsetzen, dies gelte auch für Menschen, die in Deutschland Schutz suchten, sagte Baden-Württembergs Innenminister Thomas Strobl von der CDU. Die Deutsche Polizeigewerkschaft verlangte die Abschiebung der Angreifer. "Die Flüchtlinge, die in Ellwangen Polizisten angegriffen haben, müssen unverzüglich abgeschoben werden", sagte der Bundesvorsitzende Rainer Wendt den Zeitungen "Heilbronner Stimme" und "Mannheimer Morgen".

Kritik an dem Polizeieinsatz äußerten dagegen Aktivisten der Flüchtlingshilfe. Pater Reinhold Baumann vom Freundeskreis Asyl erklärte, der Großeinsatz sei unverhältnismäßig gewesen. Der zur Abschiebung anstehende Mann aus Togo sei "kein Schwerverbrecher oder Untergetauchter" gewesen. "Man hat ihn ja dort gefunden."

Im vergangenen Jahr waren knapp 24.000 Ausländer aus Deutschland abgeschoben worden. 2017 waren bundesweit 525 Abschiebungen per Flugzeug abgebrochen worden, weil sich die Betroffenen kurz vor der geplanten Ausreise gewehrt hatten. Die meisten dieser Fälle ereigneten sich an den Flughäfen in Frankfurt am Main, München und Hamburg.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa

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