Politik

Nach Monaten in türkischer Haft Tolu ist in Deutschland gelandet

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Tolu wandte sich nach ihrer Rückkehr nach Deutschland an die Presse.

(Foto: REUTERS)

Bis vergangenen Dezember saß Mesale Tolu mehrere Monate in türkischer U-Haft. Dann kam sie frei, doch erst jetzt darf sie das Land verlassen. Nach ihrer Landung in Stuttgart gibt sie eine Stellungnahme ab.

Nach der Aufhebung ihrer Ausreisesperre in der Türkei ist die Journalistin und Übersetzerin Mesale Tolu in Deutschland eingetroffen. Sie sei auf dem Stuttgarter Flughafen gelandet, teilte eine Mitarbeiterin des Flughafens mit.

Unmittelbar nach ihrer Ankunft gab Tolu eine Stellungnahme vor der Presse ab. Tolu sagte dabei, sie könne die Rückkehr in die Heimat nur bedingt genießen. Sie sei zwar wieder in Deutschland, aber Hunderte Journalisten, Oppositionelle, Anwälte und Studenten seien immer noch nicht frei, kritisierte sie.

"Es ist nicht so, dass ich mich wirklich über die Ausreise freue, weil ich weiß, dass sich in dem Land, in dem ich eingesperrt war, nichts verändert hat." Tolu kündigte an, sie wolle sich weiter für die Menschen einsetzen, die in der Türkei aus politischen Gründen inhaftiert seien.

Mit versteinerter Miene und fester Stimme berichtete Tolu nach ihrer Landung von einer monatelangen Tortur in der Türkei. Wie türkische Polizisten in einer Nacht im April 2017 ihre Wohnung schwer bewaffnet gestürmt hätten. Wie sie gewaltsam zu Boden gedrückt, bedroht und beschimpft worden sei. Wie eine Waffe auf ihren kleinen Sohn gerichtet worden sei. Wie ihr in der anschließenden Untersuchungshaft der Zugang zu konsularischer Betreuung verwehrt worden sei. Tolu nannte die Ereignisse eine "Kette der Ungerechtigkeit". Die Terrorvorwürfe hätten sich die türkischen Behörden aus den Fingern gesogen. Ihr Sohn, der fast vier Jahre alt ist, hatte wochenlang gemeinsam mit ihr im Frauengefängnis im Istanbuler Stadtviertel Bakirköy gelebt.

Zum Prozess zurück in die Türkei

Nach ihrer Ankunft sollen Tolu und ihr Sohn nun erst einmal beim Vater der jungen Frau in Ulm wohnen. Tolu sagte, es sei für sie ungewohnt, nach insgesamt 17 Monaten wieder in Deutschland zu sein. Sie wolle nun erstmal Familie und Freunde treffen und alles verarbeiten. Ihr kleiner Sohn müsse in den Kindergarten. Er habe die deutsche Sprache verlernt und müsse alles neu lernen. Sie hoffe, dass ihre Familie bald wieder vereint sei, sagte sie mit Blick auf die weiterhin bestehende Ausreisesperre für ihren Mann.

Tolu, die für die Nachrichtenagentur Etha arbeitete, ist in der Türkei wegen Terrorvorwürfen angeklagt, sie saß dort bis Dezember mehr als sieben Monate in Untersuchungshaft. Danach wurde sie freigelassen, durfte das Land aber nicht verlassen. Vor einer Woche wurde dann überraschend die Aufhebung ihrer Ausreisesperre bekannt.

Die Türkei wirft ihr die Unterstützung der verbotenen linksextremen Gruppe MLKP vor. Ihr Prozess in der Türkei wird ungeachtet ihrer Ausreise fortgeführt. Auch ihr Ehemann Suat Corlu ist angeklagt. Seine Ausreisesperre ist nicht aufgehoben, er muss in der Türkei bleiben.

Trotz langer Gefangenschaft will Tolu für ihren Prozess wieder in die Türkei reisen. Der nächste Verhandlungstermin ist für den 16. Oktober angesetzt. Sie wolle teilnehmen, weil sie ihre Unschuld beweisen wolle und der Meinung sei, dass sie im Recht ist. Sie gehe nicht davon aus, nochmals inhaftiert zu werden. "Natürlich ist es eine willkürliche Herrschaft, die regiert, die wieder alles machen kann. Aber ich denke, ich bin einfach erstmal ein bisschen mutig", sagte Tolu. Sie werde sich aber nicht blind einer Gefahr aussetzen, weil sie einen kleinen Sohn habe, an den sie denken müsse.

Appell an die Bundesregierung

Der Fall Tolu hatte zusammen mit dem des "Welt"-Reporters Deniz Yücel und des Menschenrechtlers Peter Steudtner die Beziehungen zwischen der Türkei und Deutschland schwer belastet. Yücel war bereits im Februar nach Deutschland zurückgekehrt, nach etwa einem Jahr in türkischer Untersuchungshaft. Nach offiziellen Angaben sitzen noch mindestens sieben deutsche Staatsbürger "aus politischen Gründen" in türkischen Gefängnissen.

Am 28. September wird der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in Berlin von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier mit militärischen Ehren empfangen. Er bleibt bis zum 29. September und wird auch Bundeskanzlerin Angela Merkel treffen. Dass Tolu nun das Land verlassen durfte, geht wohl auf eine leichte Verbesserung der deutsch-türkischen Beziehungen zurück, aber besonders auf das Bedürfnis der Türkei, sich wieder an Europa anzunähern angesichts des schweren Streits mit den USA, der die Währungskrise im Land verschärft hat.

Von diplomatischen Abmachungen zu ihrer Freilassung wisse sie aber nichts, sagte Tolu. Sie appellierte an die Bundesregierung, weiter auf Menschenrechtsverletzungen in der Türkei hinzuweisen - nicht nur was die sieben deutschen Staatsbürger betreffe, sondern alle Menschen, die zu Unrecht in der Türkei inhaftiert worden seien.

Quelle: n-tv.de, mli/dpa

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